Speiseröhrenkrebs gezielter behandeln

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Die Analyse des Erbguts von Adenokarzinomen der Speiseröhre legt offen, wie heterogen die Tumoren in ihren erblichen Merkmalen sein können und erklärt einige Verhaltensweisen der Tumoren. Sie legt auch die Grundlage für eine gezieltere Therapie der Krankheit.

Sogenannte Adenokarzinome der Speiseröhre wachsen oft aggressiv und lassen sich nur schwer behandeln. Wissenschaftler identifizierten nun eine Reihe genetischer Merkmale bei diesen Tumoren, die ein Angriffspunkt für wirksamerer Therapien sein könnten. Das geht aus einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hervor.

In der Studie untersuchten die Forscher das Erbgut von insgesamt 129 Adenokarzinomen. Diese betreffen in der Regel den unteren Teil der Speiseröhre kurz vor dem Übergang zum Magen. Im Erbgut der Krebszellen fanden sich zahlreiche Veränderungen, die zum einen erklären, weshalb sich die Tumoren so rasch ausbreiten, und zum anderen zeigen, weshalb sogenannte Tyrosinkinasehemmer das Wachstum der Krebszellen nicht aufhalten können. Wie der DGVS-Experte und Koordinator der S3-Leitlinie „Speiseröhrenkrebs“ Prof. Dr. Rainer Porschen erklärt, schalten Tyrosinkinasehemmer bestimmte Treibergene aus. Da Adenokarzinome der Speiseröhre jedoch meist über mehrere verschiedene Treibergene verfügten, reiche der Einsatz eines einzigen Tyrosinkinasehemmers nicht aus. Bei den meisten Patienten müssten also gleichzeitig verschiedene Tyrosinkinasehemmer angewendet werden – welche, sei bei jedem Patienten indidividuell zu prüfen. Eine Genanalyse könne zeigen, welche Medikamente kombiniert werden müssten, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen.

Darüber hinaus identifizierten die Forscher in ihren Analysen Merkmale, die Ansätze für die Entwicklung neuer Wirkstoffe bieten. Vor allzu großem Enthusiasmus angesichts der neuen Ergebnisse warnen Experten wie DGVS-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen, allerdings auch. Es würde noch geraume Zeit brauchen, bis nachgewiesen sei, ob gezielte Therapien von Speiseröhrenkrebs auf der Grundlage von Erbgutanalysen im Tumorgewebe tatsächlich funktionieren.

 

Quelle:

Pressemitteilung „Neue Hoffnung bei Speiseröhrenkrebs: Genom-Analyse weist Weg zu neuen Therapien“ der DGVS vom 13. Oktober 2016

 

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 25.05.2017 17:35