Speiseröhrenkrebs: Der eine mehr, der andere weniger

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Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome sind unterschiedliche Typen an Speiseröhrenkrebs. Während die einen offenbar langsam zurückgehen, nimmt die Häufigkeit der anderen zu. 

Wenn die Diagnose Speiseröhrenkrebs gestellt wird, analysieren Mediziner anhand der feingeweblichen Eigenschaften auch gleich den jeweils vorliegenden Tumortyp. Am häufigsten finden sich Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome. Während seit 1999 in Deutschland bei beiden Geschlechtern eine Zunahme von Adenokarzinomen der Speiseröhre beobachtet wird, gehen die Raten an Plattenepithelkarzinomen bei Männern zurück und bleiben bei Frauen gleich. Darüber berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Der Onkologe.

Die beiden Tumortypen unterscheiden sich nicht nur in ihren feingeweblichen Eigenschaften, sie bevorzugen auch jeweils andere Bereiche der Speiseröhre. So befinden sich Plattenepithelkarzinome überwiegend im oberen und mittleren Drittel des Organs, während Adenokarzinome vor allem im unteren Drittel zu finden sind. Dies kann unter anderem mit den verschiedenen zugrundeliegenden Ursachen erklärt werden. Während Plattenepithelkarzinome oft mit Tabakrauch und regelmäßigem Alkoholkonsum in Verbindung stehen, trägt bei Adenokarzinomen nicht selten eine Refluxerkrankung zur Entstehung bei. Bei der Refluxkrankheit fließt saurer Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Ein bekannter Risikofaktor für Reflux ist Übergewicht.

Damit, so die Wissenschaftler, erklären sich auch zumindest teilweise die unterschiedlichen Entwicklungen in den Erkrankungszahlen. Gerade bei Männern sei grundsätzlich ein Rückgang tabakrauchbedingter Erkrankungen festzustellen, weil die Raucherzahlen sinken. Dies betreffe vermutlich auch Erkrankungen an Plattenepithelkarzinomen der Speiseröhre. Die Zunahme an Adenokarzinomen hingegen lasse sich mit der zunehmenden Zahl übergewichtiger Menschen hierzulande erklären. Fast die Hälfte der Adenokarzinome der Speiseröhre könnten auf Übergewicht zurückgeführt werden. Die Prognose ist bei einem Adenokarzinom unabhängig vom Stadium, in dem die Erkrankung entdeckt wird, etwas besser als bei einem Plattenepithelkarzinom. 

 

Quelle:

Kraywinkel K Buttmann-Schweiger N. Epidemiologie bösartiger Tumoren der Speiseröhre in Deutschland unter Berücksichtigung der histologischen Typen. Der Onkologe 2020, 26(4):311-6

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 22.10.2020 16:24