Speiseröhrenkrebs: Bestrahlen oder nicht?

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Bei Speiseröhrenkrebs im lokal fortgeschrittenen Stadium sind eine Chemotherapie mit Strahlentherapie und eine Chemotherapie allein, gefolgt von der Operation offenbar gleichermaßen erfolgreich.

Wird bei einem Adenokarzinom der Speiseröhre oder am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen der unterstützenden Chemotherapie, die vor der Operation („neoadjuvant“) durchgeführt wird, eine Bestrahlung hinzugefügt, können offenbar nur leichte Überlebensvorteile für die Patienten erzielt werden. Dies geht aus einer Studie hervor, die zwischen 2001 und 2012 an zehn europäischen Zentren durchgeführt wurde, und deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Annals of Oncology erschienen.

608 Patienten nahmen an der Studie teil. Alle litten unter einem Adenokarzinom der Speiseröhre oder des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen im Stadium II oder III. 301 Patienten wurden mit neoadjuvanter Chemostrahlentherapie, die übrigen 307 mit neoadjuvanter Chemotherapie behandelt.

Hinsichtlich des pathologischen Befunds brachte die zusätzliche Strahlentherapie Vorteile: Bei der Operation sah es häufiger so aus, als habe alles oder das meiste Tumorgewebe entfernt werden können. Doch weder im kurzzeitigen, noch im langfristigen Überleben ergaben sich durch die Zusatztherapie Verbesserungen: Die Sterberate nach 30 bzw. 90 Tagen unterschied sich zwischen den Therapiegruppen nicht signifikant. Und auch nach drei Jahren gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben (rund 58 Prozent bei Chemostrahlentherapie, 53 bei Chemotherapie) und im krankheitsfreien Überleben (53 Prozent bei Chemostrahlentherapie, 49 bei Chemotherapie).

Auch die Rückfallquote war in beiden Gruppen vergleichbar hoch. Innerhalb der Chemotherapiegruppe hatten diejenigen Patienten bessere Überlebenschancen, bei denen ein größerer Anteil der befallenen Lymphknoten entdeckt und entfernt werden konnte.

Die Erfolgsaussichten der neoadjuvanten Chemostrahlentherapie und der Chemotherapie bei lokal fortgeschrittenem Adenokarzinom der Speiseröhre oder des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen seien vergleichbar, so die Studienautoren. In weiteren Studien müsse ermittelt werden, welche Verbesserungen sich zum Beispiel durch das Ausmaß der Lymphknotenentfernung bei der Operation erzielen lassen.

 

Quelle:

Markar, S. R. et al.: Multimodality Treatment for esophageal adenocarcinoma: Multicenter propensity-score matched study. Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 25. Oktober 2016, doi: 10.1093/annonc/mdw560

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.06.2017 16:10