Schwanger trotz Brustkrebstherapie?

Nachricht vom 09.01.2023

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In bestimmten Fällen kann eine antihormonelle adjuvante Therapie bei Brustkrebs im Frühstadium vorübergehend unterbrochen werden, damit eine Schwangerschaft möglich wird. Dies erhöht die Rückfallrate zumindest in den ersten drei Jahren offenbar nicht.

Wenn Brustkrebspatientinnen ihre antihormonelle Therapie, die in der Regel mehrere Jahre dauert, für eine Weile unterbrechen, um schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen, verschlechtert das ihre Überlebensaussichten zumindest kurzfristig offenbar nicht. Das berichteten Wissenschaftler auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium Anfang Dezember 2022.

Zwar tritt Brustkrebs im höheren Lebensalter häufiger auf, jedoch erkranken auch immer wieder Frauen vor dem 40. Lebensjahr daran, wenn sie eigentlich noch Kinder bekommen wollen. In diesem Falle ist eine antihormonelle Therapie, die nach der Operation unterstützend, also adjuvant eingesetzt wird und bei der die weiblichen Geschlechtshormone in ihrer Wirkung unterbunden werden, ein Problem. Sie kann bei einem Wunsch auf Schwangerschaft nur unterbrochen werden. In einer Studie wurde nun untersucht, wie sich dies auf den Verlauf der Brustkrebserkrankung auswirkt.

An der Studie nahmen 518 Frauen aus 20 Ländern mit hormonempfindlichem Brustkrebs im Frühstadium teil, die höchstens 42 Jahre alt waren und sich dazu entschlossen, trotz der Krebstherapie schwanger zu werden. Bevor sie die adjuvante antihormonelle Therapie unterbrachen, hatten sie diese bereits 18 bis 30 Monate lang durchgeführt. 

In der durchschnittlichen Beobachtungszeit von drei Jahren erlitten 44 Teilnehmerinnen einen Rückfall, die Drei-Jahres-Rückfallrate betrug 8,9 Prozent. Dies entsprach der Rückfallquote, die sich in einer anderen Studie bei Brustkrebspatientinnen ergeben hatte, die eine adjuvante antihormonelle Therapie nicht unterbrachen.

Rund drei Viertel der Teilnehmerinnen, die bei ihrem Kinderwunsch begleitet wurden, wurden mindestens einmal schwanger, insgesamt wurden 365 Babys geboren. Dies entspricht nach Angaben der Studienautoren der Häufigkeit von Geburten in den entsprechenden Altersklassen in der Allgemeinbevölkerung. Den Studienteilnehmerinnen wurde empfohlen, nach der Entbindung die antihormonelle Therapie wieder aufzunehmen. Gut drei Viertel der Patientinnen folgten dieser Empfehlung. 

Junge Frauen, die an Brustkrebs im Frühstadium erkrankt sind, sollten dazu ermuntert werden, sich trotz der Krebstherapie ihren Wunsch nach einem Baby zu erfüllen. Eine solche Entscheidung solle allerdings immer in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten erfolgen. Über die langfristigen Auswirkungen einer Unterbrechung der antihormonellen Therapie könne die Studie bislang allerdings keine Aussagen treffen. Es sei bekannt, dass hormonempfindlicher Brustkrebs auch nach vielen Jahren noch wiederkehren kann.

 

Quelle:

Pressemitteilung der American Association for Cancer Resarch vom 8. Dezember 2022: https://www.eurekalert.org/news-releases/973224

 

(KvK)

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