Schwanger nach Brustkrebs

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Eine Hormontherapie während der Chemotherapie verbessert die Chancen von jungen Brustkrebspatientinnen, nach der Therapie noch schwanger zu können

Auf junge Frauen, die an Brustkrebs erkranken, kommt neben den Ängsten darum, wie gut sie die Krebserkrankung überstehen, eine weitere Sorge hinzu: Unter Umständen führen die zur Lebensrettung notwendigen Krebstherapien dazu, dass sie unfruchtbar werden und keine Kinder mehr bekommen können. Wird während der Chemotherapie der Gonadotropin-releasing Hormon (GnRH)-ähnliche Wirkstoff Goserelin eingesetzt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, nach der Krebsbehandlung wieder schwanger werden zu können. Das bestätigten die Ergebnisse einer aktuellen Studie in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine[1].

Bereits frühere Untersuchungen hatten ergeben, dass Goserelin geeignet sein könne, um die Fruchtbarkeit bei jungen Brustkrebspatientinnen zu erhalten[2]. Die bisherigen Studienergebnisse reichten jedoch für endgültige Schlüsse nicht aus. In der aktuellen Untersuchung erhielten Frauen, die vor den Wechseljahren an Hormonrezeptor-negativem Brustkrebs erkrankten, nach der Operation eine Standardchemotherapie mit oder ohne Goserelin. 

Der Wirkstoff wird bei dieser Behandlung einmal monatlich unter die Haut gespritzt. Er gehört zur Gruppe der sogenannten GnRH-Analoga, die einem vom Hypothalamus produzierten, körpereigenen Hormon namens GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) oder auch LHRH (LH-Releasing-Hormon) ähnlich sind. Dieses Hormon regt im weiblichen Zyklus die Ausschüttung der Hormone LH und FSH aus der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) an, wodurch die Produktion von Östrogen in den Eierstöcken bewirkt wird. GnRH-Analoga wie Goserelin besetzen die Bindungsstellen an der Hypophyse, aktivieren jedoch nicht die Bildung von LH und FSH. Die Bildung von Östrogen durch die Eierstöcke bleibt folglich aus. 

Nach dem Absetzen von Goserelin stellt sich die normale Hormonproduktion nach und nach wieder ein, wie die aktuelle Studie bestätigte: Während bei jeder fünften Patientin, die nur mit Chemotherapie behandelt worden war, die Funktion der Eierstöcke auch nach der Krebstherapie ausblieb, geschah dies in der Gruppe derer, die Goserelin erhalten hatten, nur bei acht Prozent. 21 Prozent der Frauen aus der Chemotherapie-Goserelingruppe und elf Prozent der Frauen aus der Chemotherapiegruppe wurden später schwanger. Darüber hinaus hatten die Patientinnen der Chemotherapie-Goserelingruppe ein besseres krankheitsfreies Überleben und ein besseres Gesamtüberleben – obwohl der Brustkrebs Hormonrezeptor-negativ und damit „unempfindlich“ gegenüber der Wirkung weiblicher Geschlechtshormone war.

Nach Ansicht der Studienautoren könne Goserelin, während der Chemotherapie bei Frauen mit Brustkrebs verabreicht, das Risiko für einen verfrühten Eintritt der Wechseljahre unterbinden und die Chancen auf eine spätere Schwangerschaft verbessern. 

 

Quelle:

[1] Moore, H. C. F. et al.: Goserelin for Ovarian Protection during Breast-Cancer Adjuvant Chemotherapy. New England Journal of Medicine 2015, 372:923-932

[2] Wong, M. et al.: Goserelin with chemotherapy to preserve ovarian function in pre-menopausal women with early breast cancer: menstruation and pregnancy outcomes. Annals of Oncology 2013, 24(1):133-138

(kvk)

 

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Aktualisiert am: 23.10.2017 21:19