Schilddrüsenkrebs: Wenn der Tumor entdifferenziert ist und metastasiert hat

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Bei entdifferenziertem metastasiertem Schilddrüsenkrebs ist eine zielgerichtete Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer möglich. Dadurch verlängert sich gegenüber Placebo die Zeit, bis die Krankheit weiter voranschreitet.

Die häufigsten bösartigen Tumoren, die das endokrine, also das hormonelle System betreffen, sind Schilddrüsenkarzinome. Welcher Behandlung die betroffenen Patienten bedürfen, hängt wesentlich vom Stadium und der Art des Karzinoms ab. Bei den sogenannten entdifferenzierten Schilddrüsenkarzinomen, die sich bereits mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) in andere Organe ausgebreitet haben, ist eine zielgerichtete Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer möglich und wirksam. Das geht aus einem zusammenfassenden Beitrag in der Fachzeitschrift Der Onkologe hervor.

Auch wenn Schilddrüsenkarzinome die häufigsten endokrinen Tumoren sind, machen sie bei Frauen insgesamt nur knapp zwei und bei Männern weniger als ein Prozent aller Krebserkrankungen aus. In den vergangenen Jahren hat die Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs zugenommen, was jedoch vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass mithilfe von hochauflösendem Ultraschall schon winzigste Karzinome entdeckt werden können.

In den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte differenzierte Tumoren, die, wenn sie früh erkannt und leitliniengerecht mit Operation, gegebenenfalls Radiojodtherapie und risikoangepasster Substitution von Schilddrüsenhormon (TSH) behandelt werden, in der Regel eine gute Prognose haben. Ca. zwei Drittel der zunächst differenzierten papillären oder follikulären Tumoren, die sich mit Metastasen in andere Organe ausbreiten, verlieren im Laufe der Zeit die Fähigkeit, Radiojod zu speichern – sie gelten dann als sogenannte entdifferenzierte Schilddrüsenkarzinome. Bei diesen Tumoren sollte zunächst überprüft werden, ob eine Operation oder Strahlentherapie sinnvoll ist. Ansonsten ist eine zielgerichtete Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer möglich, wofür zwei -  Sorafenib und Lenvatinib – bislang zugelassen sind. Beide setzen an mehreren Signalwegen an, der Tumor wird somit von verschiedenen Seiten angegriffen. Dadurch lässt sich das Tumorwachstum zumindest vorübergehend aufhalten. Die Zeit, bis die Krankheit weiter voranschreitet, verlängert sich gegenüber der Therapie mit einem Scheinmedikament (Placebo) signifikant.

Da die Therapie mit Tyrosinkinasehemmern zu teils starken Nebenwirkungen führen kann, muss vorher gründlich abgewogen werden, ob sie tatsächlich erforderlich ist und ob sie der Patient eingedenk seines aktuellen Gesundheitszustands gut verkraften wird. Engmaschige Kontrolluntersuchungen sind notwendig, um etwaige Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Eine Therapiepause oder auch Reduzierungen der Dosis können gegebenenfalls in Erwägung gezogen werden. 

 

Quelle:

Allelein S et al. Metastasiertes Schilddrüsenkarzinom. Aktuelle Empfehlungen. Der Onkologe 2018, 24:107-17

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 16.10.2018 14:43