Schilddrüsenkrebs häufiger diagnostiziert

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In vielen Fällen handelt es sich offenbar um papillären Schilddrüsenkrebs oder dessen Vorstufen. Das geht auf verfeinerte Untersuchungsmethoden zurück, mit denen auch nicht notwendigerweise-behandlungsbedürftige Fälle erkannt werden können.

Seit drei Jahrzehnten wurde weltweit ein deutlicher Anstieg der Erkrankungen an Schilddrüsenkrebs registriert. Wie Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift Lancet Diabetes & Endocrinology berichteten, ist diese Zunahme vor allem auf einen bestimmten Typ zurückzuführen und hängt wahrscheinlich wesentlich mit der intensiveren Untersuchung der Schilddrüse selbst zusammen.

Die Forscher werteten für ihre Analyse die Daten der International Agency for Research on Cancer (IARC) aus den Jahren 1998 bis 2012 aus. Diese stammten aus 25 Ländern, mehr als zwei Millionen Personen waren erfasst worden. Es zeigte sich, dass bei den im Laufe der Jahre immer häufiger diagnostizierten Fällen von Schilddrüsenkrebs ein Gewebetyp dominierte, nämlich der papilläre Schilddrüsenkrebs. In vielen Ländern wurde er vor allem nach dem Jahrtausendwechsel deutlich häufiger diagnostiziert, um das Jahr 2009 herum stabilisierten sich die Fallraten wieder. Für andere Arten von Schilddrüsenkrebs, etwa den follikulären oder medullären Typ, ergaben sich keine solchen konsistenten Muster über die untersuchten Länder hinweg. Der besonders aggressive anaplastische Schilddrüsenkrebs hingegen ging in 21 der 25 untersuchten Länder zwischen 1998 und 2002 sowie 2008 und 2012 leicht zurück. Insgesamt kamen der follikuläre, medulläre und anaplastische Schilddrüsenkrebs bei Frauen und Männern erheblich seltener vor als der papilläre.

Papillärer Schilddrüsenkrebs kann mit der verfeinerten bildgebenden Diagnostik bereits als Vorstufe erkannt werden, die nicht notwendigerweise behandlungsbedürftig ist. Da in vielen Ländern Untersuchungen der Schilddrüse bei Personen mittleren Alters mittlerweile häufiger mit den sensibleren bildgebenden Verfahren stattfinden, sei die Zunahme der Fallzahlen bei dieser Erkrankung nach Ansicht der Studienautoren womöglich auf eine Art Überdiagnostik zurückzuführen. 

 

Quelle:

Miranda-Filho A et al. Thyroid cancer incidence trends by histology in 25 countries: a population-based study. Lancet Diabetes & Endocrinology 9(4):225-34

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 15.04.2021 16:21