Rückfall bei akuter lymphatischer Leukämie im Kindesalter

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Ein neuer Antikörper kann in der Therapie große Fortschritte bringen.

Wenn es bei Kindern mit akuter lymphoblastischer Leukämie vom B-Zell-Typ (B-ALL) zu einem Rückfall kommt, kann eine allogene Stammzelltransplantation Hilfe bringen. Ihr voran gehen eine Einleitungschemotherapie und zwei Blöcke Konsolidierungschemotherapie, um die kranken Blutzellen zu zerstören. Wenn der dritte Behandlungsblock zur Konsolidierung mit einem neuartigen BiTE-Antikörper durchgeführt wird, verbessern sich die Aussichten noch einmal deutlich. Dies lässt sich den Ergebnissen einer Studie in der Fachzeitschrift JAMA entnehmen.

Bei der allogenen Stammzelltransplantation erhalten die Erkrankten gesunde Blutstammzellen eines Spenders. Dafür werden ihre eigenen Blutzellen und das Knochenmark zuvor zerstört. Die neuen gesunden Stammzellen können dann „anwachsen“ und künftig für die Bildung von Blutzellen sorgen. Vor der Stammzelltransplantation finden jedoch mehrere Chemotherapien statt. 

An der aktuellen Studie nahmen 108 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren teil, bei denen es bei B-ALL zu einem Rückfall gekommen war. Bei allen bestand ein hohes Risiko für weitere Rückfälle. Sie erhielten eine Einleitungschemotherapie sowie zwei Chemotherapieblöcke zur Konsolidierung des Therapieerfolgs. Anschließend erhielten sie noch einen dritten Konsolidierungsblock, entweder mit einer weiteren Chemotherapie oder mit einem BiTE-Antikörper. Hierbei handelt es sich um künstlich hergestellte, bispezifische monoklonale Antikörper, die eine Verbindung zwischen T-Zellen des Immunsystems und den Tumorzellen herstellen, sodass das Immunsystem die erkrankten Zellen besser erkennen und bekämpfen kann.

Nach einer Beobachtungszeit von fast zwei Jahren war es in der Gruppe, die mit dem BiTE-Antikörper behandelt worden war, deutlich seltener zu weiteren Krankheitsereignissen gekommen als in der Gruppe mit dritter Konsolidierungschemotherapie. Die Zahl weiterer krankheitsbedingter Ereignisse hatte sich nahezu halbiert, ebenso die Zahl der Todesfälle. Auch war die Zahl derer, bei denen keine minimale Restkrankheit mehr nachgewiesen werden konnte, in der Antikörpergruppe höher. Zudem traten in der mit dem Antikörper behandelten Gruppe seltener schwerwiegende Nebenwirkungen auf.

Dies, so die Studienautoren, sei ein großer Erfolg. Womöglich könne bei Kindern mit zurückgekehrter Hoch-Risiko-B-ALL durch die Anwendung des BiTE-Antikörpers anstelle einer intensiven Chemotherapie in der Konsolidierung vor allogener Stammzelltransplantation die Prognose deutlich verbessert werden.

 

Quelle:

Locatelli F et al. Effect of Blinatumomab vs Chemotherapy on Event-Free Survival Among Children With High-risk First-Relapse B-Cell Acute Lymphoblastic Leukemia. A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2021;325(9):843-854. doi:10.1001/jama.2021.0987

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 18.05.2021 19:46