Risiko bei akuter lymphatischer Leukämie im Kindes- und Jugendalter bestimmen

Nachricht vom 28.01.2022

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Mithilfe der minimalen Restkrankheit lässt sich das Risiko für einen Rückfall abschätzen und die Therapie entsprechend anpassen.

Bei manchen Kindern und Jugendlichen, die an akuter lymphatischer Leukämie (ALL) erkrankt sind, besteht ein höheres Risiko für einen ungünstigen Krankheitsverlauf als bei anderen. Dies lässt sich mithilfe der sogenannten minimalen Restkrankheit (MRD) bestimmen, sodass die Therapie entsprechend angepasst werden kann. Darüber berichteten Wissenschaftler auf der Tagung der American Society of Hematology (ASH) und stellten Langzeitdaten der UKALL 2003-Studie vor.

Für die Analyse wurden die Daten von 3.113 Patienten mit ALL verwendet. Sie waren rund zehn Jahre lang beobachtet worden. 521 Patienten wurden als bezüglich minimaler Restkrankheit Niedrig-Risikopatienten eingestuft und erhielten eine weniger intensive Therapie bzw. eine Therapieintensivierung mit Verzögerung, wenn es wieder notwendig wurde. Die Überlebensdaten bei diesen Patienten waren gut, nach zehn Jahren waren noch 97 Prozent von ihnen am Leben, bei neun von zehn Patienten hatte es kein weiteres Krankheitsereignis gegeben. Im Vergleich zur Standardtherapie gab es bei den Niedrig-Risiko-Patienten mit angepasst geringerer Therapieintensität keine Einbußen in der Effektivität.

533 Patienten waren als bezüglich minimaler Restkrankheit Hoch-Risikopatienten eingestuft und hatten die Standardtherapie oder eine dem höheren Risiko angepasste aggressivere Therapie erhalten. Nach zehn Jahren waren in der Gruppe mit angepasster Therapie noch rund 91 Prozent der Patienten am Leben, in der Standardtherapie waren es 88 Prozent. Bei 87 Prozent der Patienten der angepassten Therapie und 82 Prozent der Patienten der Standardtherapiegruppe war zudem kein weiteres Krankheitsereignis aufgetreten. Diese Unterschiede zwischen den Therapiegruppen waren nicht signifikant. Jedoch kam es nach der angepassten Therapie im Knochenmark signifikant seltener zu einem Rückfall als nach der Standardtherapie.

Offenbar, so die Interpretation der Studienautoren, könne anhand der minimalen Restkrankheit das Risiko für einen ungünstigen Krankheitsverlauf bei Kindern und Jugendlichen mit ALL gut abgeschätzt werden. Bei Patienten mit niedrigem Risiko könne die Therapie in ihrer Intensität entsprechend reduziert werden, sodass weniger toxische Effekte zu erwarten sind. Umgekehrt könne die Intensivierung der Therapie bei Hochrisikopatienten womöglich die Behandlungseffekte steigern.

 

Quelle:

Samarasinghe S et al. Ten Year Outcomes of UKALL 2003: A Randomised Clinical Trial of Adjusting Treatment Intensity. Based on Minimal Residual Disease. ASH 2021, abstract 364

 

(kvk)

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