Rauchen und Darmkrebs: Wie hängen sie zusammen?

Nachricht vom 17. Januar 2022

Angaben zum Autor und Erstelldatum finden Sie am Ende des Beitrages.

Makrophagen des Immunsystems spielen offenbar eine Rolle.

Rauchen gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für viele Krebserkrankungen, darunter für Darmkrebs. Auch wenn in der Vergangenheit bereits viele Mechanismen der krebsbegünstigenden Wirkung des Rauchens aufgedeckt werden konnten, ist in der Entstehungskette der Krankheiten noch so manches Rätsel bislang ungelöst. In einer Untersuchung fügten Wissenschaftler jetzt ein weiteres Puzzleteil hinzu, sie berichteten darüber in der Fachzeitschrift Journal of the National Cancer Institute.

Ausgangspunkt der Untersuchung war die These, dass das Rauchen einen Einfluss auf die Funktionsweise von Makrophagen haben könnte. Hierbei handelt es sich um Zellen des Immunsystems. Sie werden auch „Fresszellen“ genannt und übernehmen wichtige Aufgaben bei der Abwehr von Krankheitserregern, die sie durch die Absonderung bestimmter Enzyme zerstören und auflösen können. Auch krankhaft veränderte körpereigene Zellen können, wenn sie vom Immunsystem als krank erkannt werden, von den Makrophagen zerstört werden, was die Entstehung von Krebs verhindert. 

In der aktuellen Studie analysierten die Forscher die Daten von 131.144 Personen, die an zwei Studien (Nurses’ Health Study und Health Professionals Follow-up Study) teilgenommen hatten. 3.092 von ihnen erkrankten im Verlauf an Darmkrebs, bei 871 Personen lagen Daten zu den Makrophagen im Gewebe vor. Tatsächlich stellten die Forscher fest, dass die Zahl der Makrophagen bei Personen, die an Darmkrebs erkrankt waren und aktiv rauchten oder in der Vergangenheit geraucht hatten, niedriger war als bei Personen, die niemals geraucht hatten. Dabei spielte es auch eine Rolle, wie lange die Personen bereits geraucht hatten – je mehr Jahre, desto stärker war der Zusammenhang zu einer geringeren Makrophagendichte. 

Offenbar, so die Studienautoren, sei der Effekt des Rauchens auf die Entstehung von Darmkrebs bei Patienten mit niedriger Makrophagenzahl stärker. Die Untersuchung bestätige die Vermutung, dass das Rauchen im Zusammenspiel mit den körpereigenen Makrophagen die Entstehung von Darmkrebs begünstigt.

 

Quelle:

Ugai T et al. Smoking and Incidence of Colorectal Cancer Subclassified by Tumor-Associated Macrophage Infiltrates. Journal of the National Cancer Institute 2022, 114(1):68-77

 

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Zurück

Zuletzt aufgerufen am: 19.05.2022 10:15