Protonentherapie bei kleinzelligem Lungenkrebs

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Eine Studie zeigt, dass bei der Protonenbestrahlung weniger gesundes Gewebe von der Strahlung getroffen wird als bei intensitätsmodulierter Strahlentherapie.

Wenn Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im limitierten Stadium, die nicht operiert werden, mit einer neuen Strahlentechnik, der sogenannten Protonenbestrahlung, bestrahlt und gleichzeitig mit Chemotherapie behandelt werden, profitieren sie: Die Wirksamkeit ist derjenigen anderer Bestrahlungsformen vergleichbar, jedoch wird weniger gesundes Gewebe von den Strahlen getroffen. Das berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Cancer.

Bei der Protonenbestrahlung handelt es sich um ein neues kostenintensives Verfahren. Protonen sind die positiv geladenen Teilchen eines Atomkerns. Sie können mithilfe elektrischer Felder beschleunigt und aufgrund ihrer Ladung mit Magneten gelenkt werden. Dadurch können die Strahlen tief ins Gewebe eindringen und auch an schwer zugänglichen Stellen punktgenau ankommen. Auf ihrem Weg an den Zielort geben sie nur wenig Strahlung ab, sie entfalten ihre volle Dosis erst, wenn sie am Tumor zum Stillstand kommen. Die Protonenstrahlen schädigen dadurch weit weniger gesundes Gewebe als herkömmliche Strahlung.

In der aktuellen Studie wurden 30 Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im limitierten Stadium ein- oder zweimal täglich mit Protonenstrahlung bestrahlt. Zusätzlich erhielten sie eine Chemotherapie mit Cisplatin und Etoposid oder Carboplatin und Etoposid. Die Forscher untersuchten, wieviel Strahlendosis bei der Protonenbestrahlung im Vergleich zur intensitätsmodulierten Strahlentherapie auf Herz, Lunge und Wirbelsäule auftraf. Auch die intensitätsmodulierte Strahlentherapie, kurz IMRT genannt, ist eine Bestrahlungsform, bei der eine hohe Strahlendosis im Tumor ankommt, während das umliegende Gewebe weitgehend geschont wird.

Doch übertraf die Protonenbestrahlung die IMRT in puncto Zielgenauigkeit und Schonung für gesunde Bereiche noch einmal signifikant. Die Wirksamkeit der Protonenbestrahlung war nach Aussage der Studienautoren gut, 58 Prozent der Patienten waren nach zwei Jahren noch am Leben, 42 Prozent hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinen Rückfall erlitten. Gleichzeitig erwies sich die Behandlung als weitgehend gut verträglich. So gab es jeweils nur einen Fall an schwerer (Grad 3 oder höher) Speiseröhrenentzündung, Lungenentzündung, Gewichtsverlust und Flüssigkeitsansammlung um das Herz.

In dieser ersten vorausgeplanten und bislang größten Studie konnte, so die Studienautoren, gezeigt werden, dass die Protonentherapie bei Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im limitierten Stadium eine wirksame und gut verträgliche Behandlungsoption ist.

 

Quelle:

Rwigema, J.-C. M. et al.: Prospective study of proton-beam radiation therapy for limited-stage small cell lung cancer. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 5. Juli 2017, DOI: 10.1002/cncr.30870  

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.08.2017 16:14