Protonenbestrahlung bei Prostatakrebs

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Bei jüngeren Männern treten laut einer Studie nach Protonenbestrahlung vergleichsweise selten Erektionsstörungen und Harninkontinenz auf.

Nach der Sorge um das Überleben steht bei einer Erkrankung an Prostatakrebs auch die Sorge, welche Auswirkungen die Therapien haben. Bei jüngeren Männern stehen dabei unter anderem Störungen der Potenz und der Harninkontinenz im Vordergrund. Zur sogenannten Protonenbestrahlung wurden jetzt in der Fachzeitschrift Acta Oncologica Studienergebnisse veröffentlicht, die diesbezüglich beruhigend klingen.

An der Studie nahmen 254 Männer bis maximal 60 Jahren teil, die wegen eines Prostatakarzinoms mit Protonen bestrahlt wurden. Bei Protonen handelt es sich um die positiv geladenen Teilchen eines Atomkerns, die mithilfe elektrischer Felder beschleunigt werden und mit Magnetfeldern in ihrer Bewegungsrichtung gesteuert werden können. Dadurch können sie tief ins Gewebe eindringen und dort punktgenau bestrahlen, weil sie ihre volle Wirkdosis erst entfalten, wenn sie zum Stillstand kommen. Die Studienteilnehmer erhielten eine solche Bestrahlung und wurden vor Beginn der Therapie sowie danach über fünf Jahre alle sechs bis zwölf Monate von einem Arzt körperlich untersucht und mittels standardisierter Fragebögen zu ihrem Befinden und ihrer Lebensqualität befragt.

Nach sieben Jahren hatten knapp 98 Prozent der Patienten noch keinen weiteren Anstieg ihrer PSA-Werte erlebt, was auf ein erneutes Tumorwachstum hingedeutet hätte. Ein Patient verstarb neun Jahre nach der Therapie an einem Rückfall. Potenzstörungen, unter denen vor der Therapie bereits zehn Prozent der Patienten gelitten hatten, traten infolge der Bestrahlung häufiger auf. Im ersten Jahr hatten noch 72 Prozent der Patienten eine ausreichend erektile Funktion, nach fünf Jahren noch 67 Prozent. Wie die Studienautoren in ihrem Bericht ausführen, handelte es sich dabei um ein gutes Ergebnis. Zudem entwickelten nur zwei Prozent der Patienten eine Harninkontinenz, also Schwierigkeiten, den Harnabgang willentlich zu steuern. Auch die Darmfunktion war bei einem Teil der Bestrahlten kurzzeitig beeinträchtigt, verbesserte sich bei den meisten nach dem ersten Jahr aber wieder.

Nach Ansicht der Studienautoren hätten junge Männer mit Prostatakrebs, die sich einer Protonenbestrahlung unterziehen, hinsichtlich der Gefahr eines biochemischen Rückfalls (Anstieg von PSA), aber auch bezüglich drohender Nebenwirkungen wie Harninkontinenz und erektiler Dysfunktion gute Aussichten. Nun müssten in weiteren Studien die Effizienz und Sicherheit der Protonenbestrahlung mit derjenigen von Operation und intensitätsmodulierter Strahlentherapie verglichen werden.

 

Quelle:

Ho C Ket al. Long-term outcomes following proton therapy for prostate cancer in young men with a focus on sexual health. Acta Oncologica, Onlinevorabveröffentlichung am 23. Januar 2018, https://doi.org/10.1080/0284186X.2018.1427886

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 14.08.2018 13:37