Prostatakrebs: Wenn der PSA-Wert nach der Operation erhöht bleibt

Nachricht vom 09.06.2022

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Eine Bestrahlung des Tumorbettes in Kombination mit einer kurzzeitigen antihormonellen Therapie kann die Überlebensaussichten verbessern.

Wenn nach einer Prostatakrebsoperation der PSA-Wert noch immer erhöht ist, kann eine Bestrahlung der Region, in der sich der Tumor befunden hatte, ein weiteres Voranschreiten der Krankheit aufhalten. Wird dazu noch kurze Zeit eine antihormonelle Therapie zur Unterdrückung der männlichen Geschlechtshormone (Androgendeprivation) durchgeführt, verbessern sich die Überlebensaussichten noch einmal. Das geht aus den Ergebnissen einer internationalen Studie hervor, die in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde.

Die Studie wurde in 283 Zentren in den USA, Kanada und Israel durchgeführt. 1.792 Patienten ab 18 Jahren nahmen daran teil, bei denen auch nach der Operation wegen eines Adenokarzinoms der Prostata prostataspezifisches Antigen (PSA) im Blut erhöht war. Sie erhielten eine Strahlentherapie für die Stelle, an der sich der Tumor befunden hatte. Dazu erhielt ein Drittel der Patienten noch eine vier bis sechs Monate dauernde Androgenunterdrückungstherapie, bei einem weiteren Drittel wurden zusätzlich zu dieser auch noch die Beckenlymphknoten bestrahlt.

Nach fünf Jahren war die Krankheit bei 71 Prozent der Patienten der Gruppe, die nur die Strahlentherapie des Tumorbettes erhalten hatte, nicht weiter vorangeschritten. In der Gruppe mit Bestrahlung des Tumorbettes und Kurzzeit-Androgenunterdrückungstherapie war dies bei rund 81 Prozent gelungen, in der Gruppe mit Bestrahlung des Tumorbettes, Kurzzeit-Androgenunterdrückungstherapie und Bestrahlung der Beckenlymphknoten bei rund 87 Prozent. In dieser dritten Gruppe mit der intensivsten Therapie war der Behandlungserfolg somit am größten – gleichzeitig traten in dieser Gruppe aber auch die meisten Nebenwirkungen Grad 2 oder mehr auf. Spätschäden durch die Therapie (mehr als drei Monate nach der Strahlentherapie) traten in allen drei Gruppen mit ähnlicher Häufigkeit auf. Ausnahme waren Nebenwirkungen im blutbildenden System bzw. Knochenmark Grad 2 oder mehr, die in der Gruppe 3 häufiger als in der Gruppe 2 auftraten. Dies, so die Studienautoren, sei auf die zusätzliche Bestrahlung der Beckenlymphknoten zurückzuführen.

Die Empfehlung der Studienautoren lautete angesichts ihrer Ergebnisse, bei Patienten mit anhaltend erhöhtem PSA nach Prostatakrebsoperation der Strahlentherapie des Tumorbettes eine kurzzeitige antihormonelle Therapie hinzuzufügen. Zudem sei gezeigt worden, dass eine Bestrahlung der Beckenlymphknoten zusätzliche Überlebensvorteile bringen und die Krankheit länger aufhalten könne. 

 

Quelle:

Pollack A et al. The addition of androgen deprivation therapy and pelvic lymph node treatment to prostate bed salvage radiotherapy (NRG Oncology/RTOG 0534 SPPORT): an international, multicentre, randomised phase 3 trial. Lancet 2022, 399(10338):1886-901

 

(KvK)

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