Prostatakrebs bei BRCA2-Mutation: Platin in der Chemotherapie

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Womöglich reagiert fortgeschrittener Prostatakrebs, der mit BRCA2-Genveränderungen in Verbindung steht und auf eine antihormonelle Therapie nicht mehr anspricht, so wie erblich bedingter Brust- und Eierstockkrebs auch auf eine platinbasierte Chemotherapie an.

Patientinnen mit Brust- oder Eierstockkrebs, die Veränderungen, sogenannte Mutationen, im BRCA2-Gen tragen, sprechen in der Regel gut auf eine Chemotherapie mit Platin an. Dieser Umstand veranlasste Wissenschaftler zu untersuchen, ob sich ähnliches auch bei Männern mit Prostatakrebs nachweisen lässt, der mit BRCA2-Veränderungen in Verbindung steht. Sie berichteten über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Cancer.

In der Studie wurden rückblickend die Daten von 141 Männern mit Prostatakrebs untersucht, deren Tumor nicht oder nicht mehr auf eine antihormonelle Behandlung mit Antiandrogenen ansprach und sich bereits mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) in andere Organe ausgebreitet hatte. Dieser sogenannte kastrationsresistente Prostatakrebs wächst auch dann noch weiter, wenn im Körper kaum noch männliche Sexualhormone, die sogenannten Androgene, vorhanden sind. Eine antiandrogene Therapie kann deshalb bei diesen Tumoren nichts mehr ausrichten. Kastrationsresistente Prostatatumoren gelten derzeit als unheilbar.

Acht Patienten in der Studie wiesen eine Mutation im BRCA2-Gen auf, was ebenso wie Mutationen im BRCA1-Gen bei Prostatakrebs mit einem aggressiveren Tumorwachstum und einer höheren Wahrscheinlichkeit für einen Lymphknotenbefall und Metastasen in anderen Organen einhergeht. Allerdings sind BRCA1- und BRCA2-Mutationen bei Prostatakrebspatienten selten. Von den acht Patienten sprachen sechs gut auf eine Carboplatin-basierte Chemotherapie an, innerhalb von zwölf Wochen ging ihr prostataspezifisches Antigen (PSA) um mehr als die Hälfte zurück. Bei den übrigen Patienten, den nicht BRCA2-Mutationsträgern, gelang dies nur bei etwa jedem Sechsten.

Offenbar, so die aufgrund der äußerst geringen Zahl von Patienten vorsichtige Interpretation der Studienautoren, lohne es sich, bei Männern mit BRCA2-assoziiertem kastrationsresistentem metastasiertem Prostatakrebs eine Carboplatin-basierte Chemotherapie zu versuchen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass sie darauf ansprechen, höher sei als bei Nicht-BRCA2-Mutationsträgern.

 

Quelle:

Pomerantz, M. M. et al.: The association between germline BRCA2 variants and sensitivity to platinum-based chemotherapy among men with metastatic prostate cancer. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 13. Juni 2017, DOI: 10.1002/cncr.30808 

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 25.09.2017 17:18