Plötzlich gangunsicher?

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Im Rahmen von Krebserkrankungen kann es zu einem sogenannten paraneoplastischen neurologischen Syndrom kommen. Bestimmte Krebserkrankungen sind dafür prädestiniert.

Mitunter treten bei Krebserkrankungen neurologische Symptome auf, die auf eine gestörte Immunreaktion zurückgehen und als paraneoplastische neurologische Syndrome (PNNS) bezeichnet werden. Prinzipiell ist das bei jeder Art von Krebserkrankung möglich, am häufigsten aber kommen PNNS einem Bericht in der Fachzeitschrift Internist zufolge bei kleinzelligem Lungenkrebs, Brustkrebs, Eierstockkrebs (sowohl Karzinome als auch Teratome), Hodentumoren, Tumoren des Thymus (Thymomen) und Lymphomen, also Lymphdrüsenkrebs, vor.

Die Liste der im Rahmen von PNNS möglichen Beschwerden ist lang. Welche Symptome jeweils im Vordergrund stehen, hängt wesentlich davon ab, welche Strukturen bzw. Organe betroffen sind. So treten bei einer Beteiligung des Kleinhirns beispielsweise vor allem Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie), Gangstörungen, Augenzittern (Nystagmus), Sprechstörungen, Übelkeit und Erbrechen auf. Ist nicht das zentrale, sondern das periphere Nervensystem betroffen, können Nervenschmerzen in Armen oder Beinen, Gefühlsstörungen, aber auch Geschmacks- oder Hörstörungen vorkommen. 

Ursache für PNNS sind Reaktionen des Immunsystems gegen nervale Strukturen, wobei sogenannte T-Zellen, aber auch Antikörper eine Rolle spielen können. Oft tritt ein paraneoplastisches neurologisches Syndrom schon auf, noch bevor die Krebserkrankung überhaupt erkannt wurde, weshalb bei bestimmten Symptomen immer auch an ein bösartiges Geschehen gedacht werden sollte. Umgekehrt müssen bei Patienten mit einer Krebserkrankung, wenn neurologische Symptome auftreten, auch andere Erkrankungen, die dafür in Frage kommen können (etwa Stoffwechselerkrankungen, Infektionen, Vergiftungen oder Gefäßerkrankungen), abgeklärt werden. 

Bestimmte PNNS sprechen gut auf eine Immuntherapie an, andere nicht. Bei letzteren PNNS kann unter Umständen eine Therapie helfen, die die Aktivitäten des Immunsystems herunterschraubt (immunsupprimierende Therapie). In jedem Falle gehört die Behandlung eines PNNS in die Hände von Spezialisten.

 

Quelle:

De Simoni D & Höftberger R. Paraneoplastische neurologische Syndrome. Eine aktuelle Zusammenfassung. Internist 2018, 59:151-8

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.06.2018 21:06