Palliativmedizin: Mehr als nur fürs Lebensende

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Palliativmedizin umfasst nicht nur die Pflege am Lebensende – sie verlängert die Lebenszeit, nimmt Beschwerden, sichert Lebensqualität und sollte schon frühzeitig im Krankheitsverlauf in Anspruch genommen werden. Doch für viele Patienten ist der Begriff „palliativ“ mit Angst und Widerstreben verbunden.

Die sogenannte Palliativmedizin leistet Großes: Unheilbar Erkrankte werden, wenn sie es wünschen, bis zum Lebensende begleitet und behandelt, sodass die Krankheit so langsam wie möglich voranschreitet und so wenig Beschwerden wie möglich zu erleiden sind. Doch haftet der Palliativmedizin in der allgemeinen Öffentlichkeit noch immer ein Stigma an, das manche Krebspatienten sogar davon abhält, sich palliative Betreuung zu suchen, obwohl diese schon früh im Krankheitsverlauf empfohlen wird. In einer aktuellen Studie, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Canadian Medical Association Journal veröffentlicht wurden, gingen Wissenschaftler dem näher auf den Grund.

An der Studie nahmen 48 Patienten und 23 Pflegende teil. Ein Teil von ihnen wurde einer Interventionsgruppe zugeordnet, die von Anfang an palliativmedizinisch begleitet wurde, die anderen dienten als Kontrollpersonen. Alle Teilnehmer wurden zu Beginn der Studie zu ihren Ansichten über palliative Medizin befragt. Die Meinungen waren relativ einheitlich: Palliativmedizin war bei Patienten und Pflegenden in erster Linie mit Attributen wie „hoffnungsloser Fall“, Tod, Abhängigkeit und Pflege am Lebensende besetzt. Die Patienten hatten Angst vor der palliativen Medizin und gaben an, sie eher nicht Anspruch nehmen zu wollen.

Das Bild von der Palliativmedizin änderte sich im Laufe der Behandlung

Im Laufe der Untersuchung änderte sich die Meinung derjenigen Patienten und Pflegenden, die der Interventionsgruppe angehörten. Sie erlebten die palliative Behandlung nicht als „Pflege vor dem Tod“, sondern als fortlaufende Betreuung, die ihnen Erleichterung und Lebensqualität verschaffte. Gleichzeitig merkten sie an, dass der Begriff „Palliativmedizin“ stigmatisiere, und wünschten sich bessere Erklärungen der Inhalte von palliativer Medizin durch Ärzte und Pfleger. Während die Teilnehmer der Kontrollgruppe der Ansicht waren, eine Namensänderung spiele für ihre Wahrnehmung der Palliativmedizin keine Rolle, befürworteten die Teilnehmer der Interventionsgruppe eine solche – daran geknüpft die Hoffnung, so würden mehr Betroffene diese Hilfe in Anspruch nehmen, ohne den letzten Lebensmut zu verlieren.

 

Quelle:

Zimmermann, C. et al.: Perceptions of palliative care among patients with advanced cancer and their caregivers. CMAJ 2016, doi: 10.1503/cmaj.151171

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 27.07.2017 15:11