Neue Wirkstoffkombination bei akuter lymphatischer Leukämie

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Die Überlebensaussichten verbessern sich, weil die Patienten durch ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat gut auf eine notwendige Stammzelltransplantation „vorbereitet“ werden. 

Bei Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie, deren Erkrankung auf eine erste oder mehrere Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer nicht oder nicht mehr ausreichend anspricht, kann mit einer allogenen Stammzelltransplantation Heilung erzielt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Patienten gut auf die Einleitungschemotherapie ansprechen, die auf die Stammzelltransplantation vorbereiten soll. Hierfür eignet sich bei Patienten mit akuter lymphoblastischer B-Zell-Vorläufer-Leukämie das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin. Wie sich in einer Studie, die in der Fachzeitschrift Cancer veröffentlicht wurde, in der Auswertung der Langzeitergebnisse von mehr als zwei Jahren bestätigte, wird damit eine höhere Wahrscheinlichkeit erreicht, dass die Krankheit vollständig anspricht. 

326 erwachsene Patienten mit ALL nahmen an der Studie teil und erhielten, nachdem eine erste Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer nicht oder nicht mehr wirkte, entweder Inotuzumab Ozogamicin oder die sonst übliche Chemotherapie. In der Inotuzumab Ozogamicin-Gruppe sprachen fast drei Viertel aller Patienten vollständig auf die Therapie an, in der Standardchemotherapiegruppe war es knapp ein Drittel. Nach zwei Jahren unterschied sich das Gesamtüberleben zwischen beiden Gruppen signifikant zugunsten der Inotuzumab Ozogamicin-Therapie. Günstig auf die Überlebenschancen wirkte es sich aus, wenn bei der Behandlung ein vollständiges Ansprechen erreicht wurde, keine minimale Restkrankheit mehr nachweisbar war und anschließend eine allogene Stammzelltransplantation durchgeführt werden konnte. Deutlich mehr Patienten aus der Inotuzumab Ozogamicin-Gruppe als aus der Standardchemotherapiegruppe konnten direkt nach der Behandlung einer Stammzelltransplantation zugeführt werden. 

Nebenwirkungen Grad 3 oder mehr betrafen in beiden Gruppen vor allem das blutbildende System. Nach Ansicht der Studienautoren bestätigte sich damit die gute Wirksamkeit von Inotuzumab Ozogamicin, wenn Patienten mit ALL nicht (mehr) ausreichend auf andere Therapien ansprechen und auf eine allogene Stammzelltransplantation vorbereitet werden sollen. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin bindet sich über den Antikörper Inotuzumab an die Krebszellen. Anschließend wird es in die Zellen aufgenommen, dort wird das Zytostatikum Calicheamicin freigesetzt, welches den Zelltod auslöst.

 

Quelle:

Kantarjian HM et al. Inotuzumab Ozogamicin Versus Standard of Care in Relapsed or Refractory Acute Lymphoblastic Leukemia: Final Report and Long-Term Survival Follow-Up From the Randomized, Phase 3 INO-VATE Study. Cancer 2019, DOI: 10.1002/cncr.32116

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 18.11.2019 10:48