Neue Immuntherapie gegen Krebs: Nobelpreiswürdig

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Für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse über Immuncheckpoints, die zur Entwicklung der neuen Immuntherapien geführt haben, erhalten zwei Wissenschaftler den Nobelpreis für Medizin.

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin und Physiologie wird an zwei Immunologen aus den USA und Japan für „ihre Entdeckung der Krebstherapie durch Hemmung der negativen Immunregulation“ verliehen. Mit ihren Erkenntnissen haben die beiden Forscher die Grundlagen für die neuartige Immuntherapie mit sogenannten Checkpointhemmern gelegt.

Schon länger beschäftigen sich Wissenschaftler damit, wie die körpereigene Immunabwehr gegen Krebszellen befördert werden kann. So werden in der Therapie beispielsweise Botenstoffe des Immunsystems, sogenannte Interferone (Interferon-alpha, IFNα) eingesetzt, die die unspezifische Immunabwehr aktivieren. Diese richtet sich ganz generell gegen Krankheitserreger und erkrankte Zellen. Wie sich jedoch in der Vergangenheit gezeigt hat, reicht es bei Krebserkrankungen nicht aus, die unspezifische Immunabwehr auf diese Weise anzukurbeln.

Deshalb richtete sich das Forschungsinteresse zunehmend auf die spezifische Immunabwehr, bei der Immunzellen gezielt gegen bestimmte Antigene, also tumortypische Merkmale, vorgehen. Anhand solcher tumortypischen Merkmale, die gesunde Körperzellen nicht tragen, können Immunzellen die bösartigen Zellen erkennen und sie vernichten. Jedoch verfügen Krebszellen über Möglichkeiten, sich zu tarnen, indem sie die tumortypischen Merkmale durch Veränderungen, sogenannte Mutationen, in den Tumorgenen ablegen. Dann kann das Immunsystem die Krebszellen nicht mehr als solche erkennen. Eine andere Möglichkeit ist die Manipulation bestimmter Kontrollpunkte des Immunsystems, die Immuncheckpoints genannt werden. Sie regulieren die Aktivierung von Immunzellen, den sogenannten T-Lymphozyten, und können diese abschalten, etwa, wenn Gefahr droht, dass die Immunzellen gegen körpereigene Strukturen vorgehen werden, wie dies bei Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoider Arthritis oder Lupus Erythematodes der Fall ist. 

Wenn nun Krebszellen die Immuncheckpoints aktivieren, werden die T-Lymphozyten ebenfalls abgeschaltet und können die Krebszellen nicht mehr bekämpfen. Wirkstoffe, die die Checkpoints blockieren, können dem entgegenwirken. Der US-amerikanische Immunologe James Allison und der japanische Immunologe Tasuku Honjo erforschten die Checkpoints CTLA-4 (zytotoxisches T-Lymphozyten-assoziiertes Protein 4) und PD-1 (programmierter Zelltod) und schufen damit die Grundlage für die Entwicklung von Checkpointblockern gegen CTLA-4 und PD-1 bzw. PD-L1. Diese Wirkstoffe haben sich in der jüngsten Vergangenheit bei einigen Krebserkrankungen, etwa schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom), nicht-kleinzelligem Lungenkrebs oder Blasenkrebs auch dann noch als wirksam erwiesen, wenn andere Krebstherapien bereits versagt haben. Und die Entwicklung dieser neuen Form der Immuntherapie ist längst noch nicht abgeschlossen.

 

Quelle:

Mitteilung im Deutschen Ärzteblatt vom 1. Oktober 2018

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 19.10.2018 15:04