Neoadjuvante Therapie bei Enddarmkrebs – und dann?

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Wenn die Patienten optimal auf die neoadjuvante Therapie ansprechen, kann es unter Umständen ausreichen, sie aktiv zu überwachen.

Vor einer Operation kann bei Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) der Tumor durch eine unterstützende, sogenannte neoadjuvante Therapie verkleinert werden. Mitunter sprechen die Patienten so gut auf diese Behandlung an, dass anschließend kein Tumorgewebe mehr am Ursprungsort sichtbar ist. In diesem Falle reicht es unter Umständen womöglich aus, die Patienten erst einmal zu beobachten und weitere Behandlungen nur dann einzuleiten, wenn sich wieder Krankheitszeichen zeigen. Dies berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift JAMA Oncology.

In der Studie werteten die Forscher rückblickend die Daten von Patienten aus, deren Adenokarzinom im Enddarm vollständig auf die neoadjuvante Therapie ansprach, was als komplette Response bezeichnet wird. 113 der Patienten wurden nach diesem Befund einer aktiven Überwachung zugeführt, die übrigen 136 wurden operiert, wobei nach der Operation auch in der histologischen Untersuchung keinerlei Tumorgewebe mehr nachweisbar war.

In der Beobachtungsgruppe schritt der Enddarmkrebs nach einer gewissen Zeit bei 22 Patienten wieder voran. Dies wurde bei einer der Kontrolluntersuchungen entdeckt und die sofortige Operation eingeleitet. Nach fünf Jahren waren in der Beobachtungsgruppe noch 73 Prozent der Patienten am Leben, in der Gruppe derer, die unmittelbar nach der neoadjuvanten Therapie operiert worden waren, noch 94 Prozent. Dieser Unterschied im Gesamtüberleben zugunsten der sofortigen Operation sei jedoch nach Ansicht der Studienautoren nur bedingt aussagekräftig, da die Patienten in der Beobachtungsgruppe im Durchschnitt rund zehn Jahre älter waren. Beim krankheitsbedingten Überleben war der Unterschied mit 90 Prozent in der Beobachtungsgruppe und 98 Prozent in der Sofort-Operationsgruppe deutlich geringer.

Dafür erlebten die Patienten der Beobachtungsgruppe einen entscheidenden Vorteil: Bei einer erheblich höheren Zahl von ihnen konnte der Enddarm erhalten bleiben, sodass sie keinen künstlichen Darmausgang benötigten. Wenn jedoch bei einem Patienten der Beobachtungsgruppe der Darmkrebs nach einer Weile tatsächlich wieder voranschritt, sodass er noch operiert werden musste, war das Risiko für spätere Metastasen, also Tochtergeschwülste in anderen Organen, höher.

Für die meisten Patienten mit Enddarmkrebs, die auf die neoadjuvante Therapie vollständig ansprechen, könne die aktive Überwachung nach Ansicht der Studienautoren eine sichere Strategie sein. Allerdings müssten durch eine genauere Abschätzung von Risikofaktoren die Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein Weiterwachsen des Tumors herausgefiltert werden, da für sie die aktive Überwachung nicht optimal sei.

 

Quelle:

Smith J J et al. Assessment of a Watch-and-Wait Strategy for Rectal Cancer in Patients With a Complete Response After Neoadjuvant Therapy. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 10. Januar 2019, doi:10.1001/jamaoncol.2018.5896

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 22.04.2019 10:26