Nach Hodgkin-Lymphom: Kinderwunsch nicht abwegig

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Überlebende eines Morbus Hodgkin im Kindes- oder Jugendalter haben gute Chancen, sich einen späteren Kinderwunsch zu erfüllen

Die Überlebensaussichten bei einer Erkrankung an Morbus Hodgkin im Kindes- oder Jugendalter sind gut. Doch die aggressiven Therapien können den Betroffenen zu schaffen machen, lang anhaltende Nebenwirkungen sind nicht immer zu vermeiden. In puncto Fruchtbarkeit und Kinderwunsch können Forscher jetzt Entwarnung geben: Auch nach dieser schweren Erkrankung können die erkrankten Frauen, sofern sie möchten, meist ohne größere Probleme schwanger werden und gesunde Kinder zur Welt bringen. Ein Studienbericht zu diesem Thema erschien in der Fachzeitschrift The Lancet Oncology.

In dieser Studie begleiteten die Wissenschaftler 590 junge Frauen aus Deutschland, die vor dem 18. Lebensjahr an Morbus Hodgkin erkrankten, fünf Jahre und länger. Sie erfassten, wieviele Kinder die ehemaligen Hodgkin-Patientinnen zur Welt brachten, wobei nur lebend Geborene von Frauen berücksichtigt wurden, die vor der Geburt ihres ersten Kindes keinen Krankheitsrückfall erlitten oder an einem zweitem Krebs erkrankten. Die Geburtenrate wurde mit derjenigen der allgemeinen weiblichen Bevölkerung in Deutschland zwischen 16 und 49 Jahren verglichen, die dem 2012 erhobenen Mikrozensus entnommen wurde.

467 der 590 Patientinnen konnten langfristig begleitet werden, weil sie in kompletter Remission blieben, also keinen Krankheitsrückfall erlitten. 49 Prozent dieser 467 Patientinnen bekamen insgesamt 406 Kinder. Die längste Zeit, die eine Patientin beobachtet wurde, bis sie ihr erstes Kind nach der Hodgkin-Diagnose bekam, betrug 27,7 Jahre. Das höchste Alter bei der Geburt eines ersten Kindes nach Hodgkin-Erkrankung lag bei 39,8 Jahren. Die Geburtenrate unterschied sich zwischen den ehemaligen Hodgkin-Patientinnen und der allgemeinen weiblichen Bevölkerung nicht – mit einer Ausnahme: Frauen, die bei der Erfassung der letzten Daten vor der Veröffentlichung 40 bis 44 Jahre alt gewesen waren, bekamen weniger Kinder als die Allgemeinbevölkerung (61% verglichen mit 78%).

Keinen oder nur geringen Einfluss auf die Geburtenrate hatten bestimmte Chemotherapeutika-Dosen, eine Strahlentherapie im Bauch- oder Brustraum sowie das Lebensalter bei der Therapie. Eine Bestrahlung des Beckens jedoch wirkte sich im Vergleich zu Bauch- und Brustbestrahlung negativ auf die Geburtenrate aus.

Jungen Frauen, die am Hodgkin-Lymphom erkrankt sind und genesen, könne bezüglich eines bestehenden Kinderwunsches Hoffnung gemacht werden, so die Einschätzung der Studienautoren. 

 

Quelle:

Brämswig, J. H. et al.: Parenthood in adult female survivors treated for Hodgkin's lymphoma during childhood and adolescence: a prospective, longitudinal study. The Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 7. Mai 2015, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(15)70140-3

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.09.2017 16:40