Molekulare Diagnostik: Im Blut geht es schneller

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Bei Darmkrebs mit Lebermetastasen kann womöglich ein Bluttest Aufschluss darüber geben, ob sich eine Antikörpertherapie lohnt. Dies wäre schneller als die aufwändigen Testungen im Tumorgewebe. 

Neue zielgerichtete Therapien geben vielen Patienten Hoffnung: Sie wirken zielgerichtet an bestimmten Strukturen, die in den Krebszellen vorkommen. Um festzustellen, ob diese Zielstrukturen in einem Tumor tatsächlich vorhanden sind, müssen molekulare Tests, zum Beispiel auf Genveränderungen, durchgeführt werden. Ein solcher Test wie der auf sogenannte RAS-Mutationen bei Darmkrebs kann zeitaufwändig und teuer sein. Wissenschaftler zeigten nun, dass der Nachweis auf RAS-Mutationen auch im Blut erfolgen kann. Dies geht dem Bericht in der Fachzeitschrift Annals of Oncology zufolge rascher als der Nachweis im Tumorgewebe.

Ein Gen, das bei Darmkrebs häufig verändert ist, ist das sogenannte RAS-Gen. Sein zugehöriges Eiweiß sorgt dafür, dass am Tumor beständig Signale für neues Zellwachstum ankommen. Daher macht es Sinn, Wirkstoffe einzusetzen, die die beteiligten Wachstumsfaktoren bzw. die entsprechenden Signalwege unterbinden können. RAS-Mutationen im Tumorgewebe zu bestimmen ist jedoch ein zeitaufwändiges Verfahren, das in der Regel drei Wochen und länger dauert. 

Forscher untersuchten deshalb, ob sich die RAS-Mutationen auch im Blut, genauer im Plasma von Darmkrebspatienten finden lassen. Dies setzt im Blut zirkulierende Tumor-DNA voraus, die in Tests analysiert werden kann. Und die Wissenschaftler wurden fündig: Bei Patienten mit Darmkrebs, der sich bereits mit Tochtergeschwülsten, sogenannten Metastasen, in die Leber ausgebreitet hatte, stimmten die Ergebnisse der Messungen von RAS im Blut und im Tumorgewebe nahezu überein. 

Möglicherweise könne das Testverfahren zur Analyse der im Blut zirkulierenden Tumor-DNA bei Patienten mit Darmkrebs und Lebermetastasen routinemäßig eingesetzt werden, um keine wertvolle Zeit bis zur Einleitung einer Antikörpertherapie gegen Wachstumsfaktoren verstreichen zu lassen, so die Studienautoren.

 

Quelle:

Bachet J B et al. RAS mutation analysis in circulating tumor DNA from patients with metastatic colorectal cancer: the AGEO RASANC prospective multicenter study. Annals of Oncology 2018, 29(5):1211-9

 

(KvK)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Zurück

Aktualisiert am: 22.02.2019 21:53