Mit der Darmspiegelung Leben retten

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Durch das Screening mittels Darmspiegelung sinken die Häufigkeit von Darmkrebs und das Sterberisiko an der Erkrankung.

Bei einer Darmspiegelung, einer sogenannten Koloskopie, kann nicht nur Darmkrebs selbst entdeckt werden, auch die Vorstufen und ganz frühe Tumoren lassen sich damit erkennen und sofort beseitigen. Den Wert des Screenings mittels Darmspiegelung für die Vorbeugung und Früherkennung von Darmkrebs unterstreichen einmal mehr die Ergebnisse einer Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift American Journal of Gastroenterology veröffentlicht wurden.

Die Forschergruppe aus Deutschland untersuchte die Daten von 9.207 Personen, die in den Jahren 2000 bis 2002 im Alter zwischen 50 und 75 Jahren in eine Kohortenstudie im Saarland aufgenommen worden waren und bis dato in ihrer Vorgeschichte keine Darmkrebserkrankung aufgewiesen hatten. Sie wurden in regelmäßigen Abständen zu ihrem gesundheitlichen Befinden befragt.

Während der Beobachtungszeit von rund 17 Jahren wurde bei 268 Teilnehmern Darmkrebs diagnostiziert, 98 starben daran. Diejenigen, die am Darmkrebsscreening mit Koloskopie teilgenommen hatten, erkrankten deutlich seltener an Darmkrebs und starben auch seltener an der Erkrankung. Die Häufigkeit von Darmkrebs war um 56 Prozent reduziert, die Sterberate an der Erkrankung um 66 Prozent. 

Der Effekt war für Tumoren, die den distalen Darmabschnitt, also jenen, der dem Anus naheliegt, betreffen, stärker als für Tumoren im proximalen Darmabschnitt. Letzterer ist bei der Darmspiegelung natürlich schwieriger zu erreichen, weil er vom Anus, der Öffnung, von der aus die Darmspiegelung durchgeführt wird, weiter entfernt liegt. Mit der sogenannten Sigmoidoskopie, einer „kleinen“ Form der Darmspiegelung, bei der nur der letzte Abschnitt des Dickdarms vor dem Enddarm und Anus untersucht wird, lassen sich Tumoren im proximalen Dickdarm überhaupt nicht erkennen. Mithilfe der „großen“ Darmspiegelung, der Koloskopie, hingegen konnte die Sterblichkeit auch an proximalem Dickdarmkrebs innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Untersuchung signifikant gesenkt werden.

Die Studie unterstreicht, wie sinnvoll das Darmkrebsscreening mittels Darmspiegelung ist, um Darmkrebs vorzubeugen oder die Erkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen. Ab dem 55. Lebensjahr haben alle gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland einen Anspruch auf zwei kostenlose Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren. 

 

Quelle:

Guo F et al. Strong Reduction of Colorectal Cancer Incidence and Mortality After Screening Colonoscopy Prospective Cohort Study From Germany. American Journal of Gastroenterology, Onlinevorabveröffentlichung am 8. Januar 2021, doi: 10.14309/ajg.0000000000001146

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 09.04.2021 16:54