Melanom: Lymphknoten entfernen oder nicht?

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Ist bei schwarzem Hautkrebs der Sentinellymphknoten befallen, stellt sich die Frage, ob auch alle anderen in der Umgebung liegenden Lymphknoten vorsichtshalber entfernt werden sollten oder nicht. Bei Mikrometastasen sei dieser Eingriff wohl nicht automatisch zu empfehlen, wie den Ergebnissen einer Studie aus Deutschland jetzt entnommen werden kann.

Stellt sich bei der Gewebeuntersuchung von schwarzem Hautkrebs der sogenannte Wächterlymphknoten (Sentinellymphknoten), der dem Tumor auf den Lymphabflussbahnen am nächsten liegt, als befallen heraus, wird in der Regel empfohlen, alle Lymphknoten in seiner Umgebung zu entfernen, um einem Rückfall vorzubeugen. Jedoch herrscht unter Experten Uneinigkeit darüber, ob dies tatsächlich soviel nützt, dass die damit verbundenen Unannehmlichkeiten für die Patienten in Kauf genommen werden sollten. Nun liegen die Ergebnisse einer größeren randomisierten klinischen Studie vor, die in 41 deutschen Hautkrebszentren durchgeführt wurde (Fachzeitschrift Lancet Oncology).

Meist Mikrometastasen im Sentinellymphknoten

Teilnehmer der Studie waren mehr als 5.500 Patienten, bei denen ein malignes Melanom am Rumpf, den Armen oder Beinen diagnostiziert worden war und eine Untersuchung des Sentinellymphknotens stattgefunden hatte. In knapp einem Viertel der Fälle fanden sich Metastasen in dem Lymphknoten. 483 der Patienten mit positivem Sentinellymphknoten nahmen schließlich an der Studie teil: Sie wurden nach dem Zufallsprinzip der Beobachtungsgruppe zugeordnet oder der Operationsgruppe, in der den Patienten die Lymphknoten entfernt wurden. Bei zwei Dritteln der Patienten waren die Metastasen im Sentinellymphknoten höchstens 1 mm groß.

Prognose nicht verbessert, mehr Nebenwirkungen

In der Beobachtungsgruppe hatten nach drei Jahren 77 Prozent der Patienten noch keine Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen entwickelt, in der Gruppe mit Lymphknotenentfernung waren es 74,9 Prozent. Infolge der Lymphknotenentfernung kam es bei sechs bzw. acht Prozent der Patienten zu Nebenwirkungen Grad 3 bzw. 4: Hierbei handelte es sich um Schwellungen (Lymphödeme), Lymphfisteln, Seromen (Ansammlung von Lymphe oder Wundsekret in nicht vorgebildeten Hohlräumen), Infektionen und verzögerte Wundheilung. Lebensbedrohliche Ereignisse traten nicht auf.

Bei Mikrometastasen Zurückhaltung empfohlen

Nach Einschätzung der Studienautoren konnte bei Melanompatienten, bei denen ein Befall des Sentinellymphknotens (in der Mehrzahl mit Mikrometastasen) vorlag, keine Verbesserung der Prognose erzielt werden, wenn ihnen die übrigen in der Umgebung liegenden Lymphknoten entfernt wurden. Da die Operation von Lymphknoten mit unangenehmen Folgen verbunden ist, könne sie folglich bei Patienten mit Mikrometastasen von höchstens einem Millimeter Durchmesser im Sentinellymphknoten nicht empfohlen werden.

 

Quelle:

Leiter, U. et al.: Complete lymph node dissection versus no dissection in patients with sentinel lymph node biopsy positive melanoma (DeCOG-SLT): a multicentre, randomised, phase 3 trial. The Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 5. Mai 2016, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(16)00141-8

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 25.09.2017 17:04