Mehr Darmkrebsfälle in Zukunft zu erwarten

Nachricht vom 01.08.2022

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Die demographische Entwicklung in Deutschland lässt in Zukunft mehr Darmkrebsfälle erwarten. Verhindert werden kann dies nur durch eine Steigerung der Screeningraten.

Aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland mit einer immer größer werdenden Zahl älterer Menschen ist damit zu rechnen, dass auch die Fälle an Darmkrebs zunehmen. Dem kann nur durch eine Steigerung der Teilnahmeraten am Darmkrebsscreening vorgebeugt werden, wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift The Lancet Regional Health – Europe berichteten.

Die Forscher werteten Daten zum aktuellen Stand des Darmkrebsscreenings in Deutschland aus und stellten fest, dass derzeit weniger als 20 Prozent aller Anspruchsberechtigten die Möglichkeit zweier kostenfreier Darmspiegelungen (Koloskopien) im Abstand von mindestens zehn Jahren nutzen. Mit dieser Untersuchungsmethode lässt sich nicht nur bereits bestehender Darmkrebs feststellen. Auch Vorstufen, sogenannte Polypen, können damit erkannt und auch gleich beseitigt werden, sodass Darmkrebs gar nicht erst entstehen kann. Bei der Darmspiegelung handelt es sich somit nicht nur um eine Früherkennungs-, sondern auch um eine echte Vorsorgeuntersuchung.

Die Forscher errechneten eine Zunahme der Darmkrebsfälle in den kommenden Jahren. Dies geht darauf zurück, dass die Zahl älterer Menschen in Deutschland zunimmt und das Risiko für Darmkrebs mit dem Lebensalter steigt. Würde sich die Zahl derer, die am Screening teilnehmen, in Zukunft nicht deutlich erhöhen, würde die Zahl der jährlichen Darmkrebsfälle laut den Berechnungen von rund 62.000 im Jahr 2020 auf mehr als 70.000 im Jahr 2040 und mehr als 75.000 im Jahr 2050 steigen. Um diese Entwicklung aufzuhalten, sei eine Steigerung der derzeitigen Screeningrate um mehr als das Dreifache nötig.

Die Anstrengungen im Gesundheitswesen, Anspruchsberechtigte zur Teilnahme am kostenfreien Darmkrebsscreening mittels Koloskopie zu bewegen, müssten nach Ansicht der Studienautoren verstärkt werden. Ab dem 50. Lebensjahr haben gesetzlich krankenversicherte Männer einen Anspruch auf zwei kostenfreie Darmspiegelungen im Abstand von mindestens zehn Jahren. Bei Frauen beginnt dies erst ab dem 55. Lebensjahr, weil ihr Risiko für die Krankheit vorher geringer ist als bei Männern.

 

Quelle:

Heisser T et al. Impact of demographic changes and screening colonoscopy on long-term projection of incident colorectal cancer cases in Germany: A modelling study. The Lancet Regional Health – Europe 2022;20: 100451. https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2022.100451

 

(KvK)

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