Medullärer Schilddrüsenkrebs: Genveränderung macht den Unterschied

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Eine zielgerichtete Therapie mit dem Kinasehemmer Cabozantinib kann bei Patienten mit fortschreitendem medullärem Schilddrüsenkrebs im metastasierten Stadium offenbar nur dann die Gesamtüberlebenszeit verlängern, wenn eine bestimmte Genveränderung im Tumor vorliegt.

In einer ersten Analyse einer Phase 3-Studie hatte sich gezeigt, dass eine Therapie mit Cabozantinib, einem Kinasehemmer mit antitumoralen Eigenschaften, im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) bei Patienten mit fortschreitendem metastasiertem medullärem Schilddrüsenkrebs die Krankheit vorübergehend aufhalten und die Zeit, bis der Tumor weiter voranschreitet, verlängern kann. Wie die Wissenschaftler jetzt nach der Endanalyse der Daten in der Fachzeitschrift Annals of Oncology berichteten, wirkt sich dies offenbar nicht für alle Patienten signifikant auf das Gesamtüberleben aus.

An der Studie hatten 330 Patienten mit medullärem Schilddrüsenkrebs teilgenommen, der sich bereits mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) in andere Organe ausgebreitet hatte und – wie Röntgenuntersuchungen zeigten – weiter voranschritt. Nach dem Zufallsprinzip erhielten sie entweder eine Therapie mit Cabozantinib oder Placebo. 

In der Cabozantinibgruppe war die Hälfte der Patienten nach 26,6 Monaten noch am Leben, in der Placebogruppe war dies nach rund 21 Monaten der Fall. Dieser Lebenszeitgewinn von fünfeinhalb Monaten war allerdings statistisch nicht signifikant. Wie sich in Subgruppenanalysen herausstellte, profitierten Patienten mit einer genetischen RET M918T-Veränderung im Tumor erheblich mehr: Hier war die Hälfte der mit Cabozantinib behandelten Patienten nach rund 44 Monaten noch am Leben, in der Placebogruppe nach 19 Monaten. In der Gruppe der Patienten ohne RET M918T-Veränderung im Tumor war der Unterschied im Gesamtüberleben zwischen Cabozantinib- und Placebogruppe nur minimal. Insgesamt konnte die Therapie mit Cabozantinib bei der Hälfte aller damit behandelten Patienten rund elf Monate lang durchgeführt werden, die Placebotherapie hingegen nur dreieinhalb Monate.

Womöglich können Patienten mit fortschreitendem metastasiertem medullärem Schilddrüsenkrebs hinsichtlich des Gesamtüberlebens nur dann von der Therapie mit Cabozantinib profitieren, wenn ihr Tumor RET M918T-positiv ist, so das Fazit der Studienautoren.

 

Quelle:

Schlumberger, M. et al.: Overall survival analysis of EXAM, a phase 3 trial of cabozantinib in patients with radiographically progressive medullary thyroid carcinoma. Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 22. Oktober 2017, https://doi.org/10.1093/annonc/mdx479

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07