Lungenkrebs: Immuntherapie zusätzlich zur Chemostrahlentherapie?

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Eine Immuntherapie nach der Chemostrahlentherapie erwies sich in einer Studie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs als lohnenswert.

Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht mehr operablem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs haben trotz einer Chemostrahlentherapie ein hohes Risiko, dass der Tumor über kurz oder lang weiter voranschreitet. Es könnte sich deshalb möglicherweise lohnen, eine weitere systemische, also im ganzen Körper wirkende, die Immunantwort anregende Therapie durchzuführen. Die Ergebnisse einer Studie in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine bestätigten diese Vermutung.

In dieser Studie erhielten Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Stadium III, bei denen der Tumor nach zwei oder mehr Zyklen einer platinbasierten Chemo-Strahlentherapie noch nicht weiter vorangeschritten war, den PD-L1-Antikörper Durvalumab. PD-L1 kann von bösartigen Tumoren gebildet werden, um sich einer Entdeckung durch das Immunsystem zu entziehen, indem sich PD-L1 an PD-1 von Zellen des Immunsystems (Lymphozyten) bindet und diese inaktiviert. Wenn nun der Antikörper Durvalumab an PD-L1 andockt, verhindert er die Interaktion von PD-L1 mit PD1, was die die Immunantwort wieder anregt.

An der Studie nahmen 709 Patienten teil, von denen – nach dem Zufallsprinzip ausgewählt - ein bis 42 Tag nach der Chemostrahlentherapie 473 Patienten Durvalumab und 236 Patienten ein Scheinmedikament (Placebo) erhielten. Die Zeit, bis die Krankheit weiter voranschritt, konnte durch den PD-L1-Antikörper signifikant verlängert werden, von rund fünfeinhalb Monaten auf fast 17 Monate. Nach 18 Monaten war der Tumor bei 27 Prozent der Patienten in der Placebogruppe und rund 44 Prozent der Patienten in der Durvalumabgruppe nicht weiter vorangeschritten. Auch die Zeit, bis sich der Krebs mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) in andere Organe ausgebreitet hatte, verlängerte sich, ebenso die Zeit bis zum Tod. 

Die häufigste Nebenwirkung unter der Therapie war eine Lungenentzündung, etwa jeder siebte Patient musste die Behandlung mit Durvalumab unterbrechen, weil die Nebenwirkungen zu stark waren – in der Placebogruppe war es jeder zehnte.

Nach Ansicht der Studienautoren könne mit Durvalumab möglicherweise ein Antikörper für eine lohnenswerte adjuvante, die Chemostrahlentherapie unterstützende Therapie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs im Stadium III zur Verfügung stehen. Untersucht werden müsse nun, welcher Art die Interaktionen zwischen der Chemostrahlentherapie und der Immuntherapie sind.

 

Quelle:

Antonia, S. J. et al.: Durvalumab after Chemoradiotherapy in Stage III Non–Small-Cell Lung Cancer. New England Journal of Medicine, Onlinevorabveröffentlichung am 8. September 2017, DOI: 10.1056/NEJMoa1709937

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07