Lungenkrebs: Die Konzentration von Radon begrenzen

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Auch die Belastung in Innenräumen mit Radon gilt als ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für Lungenkrebs. Schwedische Wissenschaftler ermittelten, wieviele Erkrankungen sich durch eine Senkung der Radonkonzentration verhindern ließen.

Der mit Abstand größte Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs ist das Rauchen – das ist hinlänglich bekannt. Aber auch das natürlich vorkommende Edelgas Radon, das durch den Zerfall von Uran im Boden entsteht, kann Lungenkrebs verursachen. Vermutlich gehen in Europa bis zu neun Prozent aller Todesfälle an Lungenkrebs auf Radon zurück. Schwedische Wissenschaftler ermittelten nun, wieviele Lungenkrebsfälle vermieden werden könnten, wenn die Belastung mit Radon in Gebäuden auf 100 Bq/m3 begrenzt werden könnte. Sie berichteten darüber in der Fachzeitschrift Cancer Causes and Control.

Radon entsteht durch den Zerfall von Uran, das praktisch überall im Boden vorkommt. Radon selbst wiederum zerfällt in weitere radioaktive Partikel, die in der Atemluft schweben und sich in Innenräumen an Gegenstände, Staubpartikel und feinsten Schwebeteilchen anlagern. Diese geraten beim Einatmen in die Lunge, führen zu einer radioaktiven Bestrahlung und können so Lungenkrebs verursachen.

Die Forscher der aktuellen Studie werteten die Daten und Ergebnisse schwedischer Untersuchungen aus den Jahren 1990 und 2008 aus, in denen die Belastung mit Radon in fast 9.000 bzw. 2.000 Wohnungen gemessen worden war. 1990 betrug die mittlere Radonkonzentration 113 Bq/m3, im Jahr 2008 90 Bq/m3. Ca. acht Prozent der in der Studie erfassten Bevölkerung lebten in einer Wohnung mit einer Radonkonzentration von mehr als 200 Bq/m3. Pro 100 Bq/m3 wurde eine Zunahme des Lungenkrebsrisikos von 16 Prozent angenommen.

Den Berechnungen zufolge gingen 591 Lungenkrebsfälle auf die frühere, also im Jahr 1990 gemessene Radonbelastung zurück. Infolge des Rückgangs dieser Belastung bis zum Jahr 2008 sank auch die Zahl der mit Radon in Verbindung stehenden Lungenkrebsfälle – auf nunmehr 473. Würden, so die Forscher, Radonwerte von noch über 100 Bq/m3 auf unter 100 Bq/m3 gesenkt werden, könnten künftig vermutlich 183 Lungenkrebsfälle pro Jahr verhindert werden; bei einer Senkung aller Werte von über 200 Bq/m3 auf 140 Bq/m3 wären es 131 Fälle pro Jahr.

Etwa 35 bis 40 Prozent der durch Radon verursachten Lungenkrebsfälle könnten demnach wegfallen, wenn es laut Studienautoren gelänge, die Radonkonzentrationen in allen Haushalten auf 100 Bq/m3 zu begrenzen.

Beim Bau neuer Gebäude werden heute Maßnahmen empfohlen, die das Eindringen von Radon aus dem Untergrund verhindern. In Altbauten lässt sich die Radonkonzentration durch einfache Maßnahmen wie häufiges Lüften, Staubwischen oder das Abdichten von Fugen und Rissen senken. Auch aufwändigere Sanierungsmaßnahmen, etwa das Auftragen spezieller Beschichtungen auf das Fundament oder der Einbau moderner Belüftungsanlagen, sind möglich.

 

Quelle:

Axelsson, G. et al.: Lung cancer risk from radon exposure in dwellings in Sweden: how many cases can be prevented if radon levels are lowered?. Cancer Causes Control 2015, 26:541-547

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 17.08.2017 17:03