Lokal und systemisch behandeln?

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Bei metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs kann es unter Umständen Vorteile bringen, wenn die systemische Therapie mit einer lokalen Therapie kombiniert wird.

Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, der sich bereits mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) in andere Organe ausgebreitet hat, werden in der Regel mit einer systemischen, also im ganzen Körper wirkenden Therapie wie Chemo- oder Immuntherapie behandelt. Doch unter Umständen können sie profitieren, wenn sie zusätzlich auch eine lokale Behandlung erfahren – eine Operation oder eine Strahlentherapie. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie in der Fachzeitschrift JAMA Network Open.

Die Forscher analysierten die Daten von 34.887 Patienten ab 18 Jahren mit metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, von denen sich 835 einer Operation plus systemischen Therapie, 9.539 einer Strahlentherapie oder Thermoablation plus systemischen Therapie und 24.513 allein einer systemischen Therapie unterzogen hatten. Bei der Thermoablation wird das Krebsgewebe starker Hitze oder Kälte ausgesetzt, darunter zählten in der Studie auch die Kryotherapie (Kältetherapie) und Radiofrequenzablation. 

Wie die Wissenschaftler feststellten, war die Wahrscheinlichkeit, dass neben der systemischen Therapie auch operiert wurde, höher, wenn nur wenige Metastasen (Oligometastasierung) vorlagen. Tatsächlich bestanden die besten Überlebenschancen, wenn zusätzlich zur systemischen Therapie auch eine Operation durchgeführt worden war. Aber auch Patienten, die neben der systemischen Therapie eine Strahlentherapie oder Thermoablation erhalten hatten, wiesen bessere Überlebenszeiten auf als Patienten, die ausschließlich systemisch behandelt worden waren.

Allerdings hingen die Vorteile noch von weiteren Faktoren ab. So profitierten Patienten, die auch eine Strahlentherapie erhalten hatten, besonders dann, wenn sie an einem Plattenepithelkarzinom erkrankt waren und ihr Tumor noch verhältnismäßig klein war, wenig Lymphknoten befallen und sich nur mit wenigen Metastasen in andere Organe (Oligometastasierung) ausgebreitet hatte.

In dieser Studie habe sich nach Ansicht der Autoren gezeigt, dass es bei metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (Stadium IV) unter Umständen lohnen kann, zusätzlich zur systemischen Therapie eine Operation oder eine Strahlentherapie bzw. Thermoablation durchzuführen. Weitere Studien seien nun notwendig, um herauszufinden, wer besonders gut von einer Kombination systemischer und lokaler Therapien profitieren kann und welches die optimale Kombination (Reihenfolge etc.) ist. 

 

Quelle:

Uhlig J et al. Comparison of Survival Rates After a Combination of Local Treatment and Systemic Therapy vs Systemic Therapy Alone for Treatment of Stage IV Non–Small Cell Lung Cancer. JAMA Network Open. 2019;2(8):e199702. doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.9702

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 16.11.2019 18:05