Lebensalter bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Nachricht vom 11. Januar 2022

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Die Prognose unterscheidet sich zwischen jüngeren und älteren Patienten offenbar nur dann, wenn Unterschiede bei der Therapie gemacht werden.

Bauchspeicheldrüsenkrebs verhält sich oft aggressiv, und die Behandlung ist noch immer schwierig. Wissenschaftler stellten in einer rückblickenden bevölkerungsbasierten Kohortenstudie mit Patientendaten aus den Niederlanden fest, dass jüngere und ältere Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs unterschiedlich behandelt werden und darauf vermutlich Unterschiede in den Überlebensaussichten zurückgehen. Der Bericht zur Studie erschien in der Fachzeitschrift Acta Oncologica.

Untersucht wurden die Daten von 10.298 Patienten aus den 2015 bis 2018. 1.551 (15%) Patienten waren bei der Diagnose jünger als 60 Jahre. Unter ihnen war der Anteil von Männern höher als der von Frauen, sie hatten insgesamt eine bessere körperliche Verfassung mit weniger Begleiterkrankungen als die älteren Patienten. Ihr Tumor wurde öfter als bei den älteren Patienten in einem späteren Stadium als I, dem Frühstadium, entdeckt, und sie erhielten mehr Therapien gegen die Tumorerkrankung als die älteren Patienten.

So wurden die Patienten unter 60 Jahren, obwohl ihr Tumor seltener im Stadium I war, häufiger operiert, und sie erhielten häufiger eine Chemotherapie. Grundsätzlich hatten die jüngeren Patienten zudem ein besseres Gesamtüberleben als die älteren – ein höheres Lebensalter erwies sich in der Analyse als ein Faktor für eine ungünstigere Prognose. Jedoch gab es bei den Patienten, die sich sofort nach der Diagnose einer Operation unterzogen oder eine Chemotherapie als alleinige Therapie erhielten, keinen signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben zwischen den beiden Altersgruppen. Lediglich im fortgeschrittenen Tumorstadium IV hatten die jüngeren Patienten ein leicht besseres Gesamtüberleben als die älteren, wenn sie sich einer Chemotherapie unterzogen. Bei denen, die überhaupt keine Therapie gegen das Tumorleiden in Anspruch nahmen, wurden keine Unterschiede im Gesamtüberleben festgestellt.

Offenbar, so das Resümee der Studienautoren, verschwinden die Unterschiede im Gesamtüberleben zwischen den Altersgruppen, wenn die durchgeführte Therapie als Faktor in der Analyse berücksichtigt wird. Das Lebensalter wäre demnach nicht per se ein Prognosefaktor. Stattdessen entscheide die Therapie wesentlich mit über den Verlauf der Erkrankung. Ältere Patienten dürften nach Ansicht der Autoren nicht allein aufgrund ihres Lebensalters von einer Operation oder Chemotherapie abgehalten werden.

  

Quelle:

van Dongen JC et al. Age and prognosis in patients with pancreatic cancer: a population-based study. Acta Oncologica, Onlinevorabveröffentlichung am 22. Dezember 2021, DOI:10.1080/0284186X.2021.2016949

 

(kvk)

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