Kurzzeitige Hormonentzugstherapie bei Prostatakrebs

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In bestimmten Fällen kann sie in Verbindung mit einer Strahlentherapie das Rückfallrisiko senken.

Bis fast ein Drittel der Patienten, die sich wegen lokal begrenztem Prostatakrebs mit mittlerem oder hohem Rückfallrisiko einer Strahlentherapie unterziehen, erleben innerhalb von fünf Jahren tatsächlich einen biochemischen Rückfall mit Anstieg des Prostata-spezifischen Antigens (PSA). In einer Studie testeten Wissenschaftler, ob eine kurzzeitige Androgenentzugstherapie das biochemische krankheitsfreie Überleben verbessern kann. Die Ergebnisse erschienen kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology.

Hormone über sechs Monate entziehen

An der Studie nahmen Patienten mit Prostatakrebs im Stadium cT1b-c teil, die einen PSA-Wert ≥ 10 ng/mL oder Gleason-Score ≥ 7 aufwiesen, sowie Patienten mit Prostatakrebs im Stadium cT2a, bei denen keine Beteiligung der Beckenlymphknoten nachzuweisen war, keine medizinischen Hinweise auf mögliche Metastasen in anderen Organen vorlagen und die einen PSA-Wert ≤ 50 ng/mL aufwiesen. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip entweder einer Strahlentherapie (407 Patienten) oder einer Strahlentherapie plus sechsmonatigen Androgenentzugstherapie (403 Patienten) zugewiesen. Die Hormontherapie begann am ersten Tag der Strahlentherapie und bestand aus zwei Spritzen mit einem luteinisierenden-Hormon-releasing-Hormon-Agonisten, die im Abstand von drei Monaten verabreicht wurden.

Das krankheitsfreie Überleben verbessert sich

Die Hälfte der Patienten war 70 Jahre und älter, die meisten hatten ein mittleres Rückfallrisiko. Die zusätzliche kurzzeitige Androgenentzugstherapie verbesserte das biochemische krankheitsfreie Überleben signifikant, ebenso das Überleben ohne Krankheitsfortschritt hinsichtlich klinischer Parameter. Der Effekt der Hormontherapie trat zusätzlich zur Strahlentherapie auf und war unabhängig von der Strahlendosis - eine signifikante Interaktion zwischen Hormontherapieeffekt und Strahlendosis war nicht festzustellen. Bezüglich des Gesamtüberlebens lagen bis zum Zeitpunkt der Studienveröffentlichung noch keine Ergebnisse vor.

Nach Ansicht der Studienautoren könne eine kurzzeitige Androgenentzugstherapie, die bei Patienten mit Prostatakrebs in bestimmten Stadien und mit mittlerem bis hohem Rückfallrisiko zusätzlich zur Strahlentherapie angewandt wird, das biochemische und klinische krankheitsfreie Überleben verbessern.

 

Quelle:

Bolla, M. et al.: Short Androgen Suppression and Radiation Dose Escalation for Intermediate- and High-Risk Localized Prostate Cancer: Results of EORTC Trial 22991. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 14. März 2016, doi: 10.1200/JCO.2015.64.8055

 

(kvk)

 

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Aktualisiert am: 25.09.2017 12:07