Krebsvorsorge auch in Pandemiezeiten unerlässlich

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Wissenschaftler verweisen auf die Gefahren, die drohen, wenn die Krebsvorsorge und -früherkennung vernachlässigt werden.

Der Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie brachte auch die gesetzliche Krebsvorsorge in Deutschland teilweise zum Erliegen (s. Meldung der DKG-Web zum Mammographiescreening vom 02.04.2020). Wissenschaftler weisen in der Fachzeitschrift European Journal of Cancer nun daraufhin, wie wichtig es sei, auch in dieser Zeit die Krebsfrüherkennung nicht zu vernachlässigen.

Weltweit und auch hierzulande wurden im Zuge des Ausbruchs der Corona-Pandemie alle verfügbaren medizinischen Ressourcen mobilisiert, um schwer an COVID-19 Erkrankte ausreichend versorgen zu können. Nun warnen Wissenschaftler davor, Krebsscreeningprogramme dauerhaft zu vernachlässigen. Dadurch würden vermutlich viele Krebserkrankungen künftig erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt, in denen eine Heilung nicht mehr möglich sei.

Einige der Krebsarten, die im Screening enthalten sind, wie Gebärmutterhalskrebs und Prostatakrebs wachsen in der Regel eher langsam und können durch das Krebsscreening schon als Vorstufen entdeckt werden. Bei diesen Krebsarten sei eine etwas verzögerte Diagnose in vielen Fällen noch kein Problem. Andere Krebsarten jedoch wie Brust- und Lungenkrebs wachsen oft rasch. Eine Verzögerung der Diagnose kann hier dramatische Auswirkungen für die Betroffenen haben.

Anhand der gut dokumentierten Fallzahlen zu Brustkrebs stellten die Autoren des Berichts eine Beispielrechnung auf. Mehr als 70 Prozent der Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren nehmen in den USA demnach am Mammographiescreening zur Früherkennung von Brustkrebs teil, das sind rund 1.412.000 Frauen pro Monat. Wie die Forscher errechneten, bleiben in jedem Monat, in dem das Mammographiescreening infolge der SARS-CoV-2-Pandemie ausgesetzt ist, 69.629 Brustkrebsfälle undiagnostiziert. Werden sie später entdeckt, ist es möglicherweise zu spät: Ihr Risiko, dass sich die Therapie zu stark verzögert und sich die Prognose deutlich verschlechtert, steigt.

Nicht zuletzt weisen die Wissenschaftler daraufhin, dass nach dem Ende der Pandemie mit einem starken Anstieg der diagnostizierten Krebszahlen zu rechnen sei. Damit stiegen auch die Kosten für die dann notwendig gewordene intensivere Behandlung. Auch aus diesem Grund plädieren die Wissenschaftler dafür, die Krebsvorsorgeprogramme soweit möglich in der Pandemiezeit aufrechtzuerhalten.

In Deutschland wurde das Mammographiescreening inzwischen wieder aufgenommen. Seit dem 4. Mai 2020 werden wieder Einladungen an die anspruchsberechtigten Frauen geschickt – auch an die Frauen, die die Einladung eigentlich während der Pause hätten erhalten müssen. Dies gilt insbesondere auch für Frauen, die während der Pause das 70. Lebensjahr vollendet und damit das Alter für das gesetzliche Screening überschritten haben. Sie dürfen die Mammographieuntersuchung ebenso wie alle anderen Frauen, die ihren Termin während der Pause nicht wahrnehmen konnten, nachholen. 

 

Quellen:

Amit M et al. Pausing cancer screening during the SARS-CoV-2 pandemic: should we revisit the recommendations? European Journal of Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 19. Mai 2020, DOI:https://doi.org/10.1016/j.ejca.2020.04.016

Information der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): https://www.kbv.de/html/1150_45900.php

 

(KvK)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

Zurück

Zuletzt aufgerufen am: 02.07.2020 13:43