Krebstherapie: Der Zeitpunkt der Arzneimitteleinnahme ist bedeutsam

Nachricht vom 29.04.2022

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Bei einer Krebstherapie spielt auch der Zeitpunkt der Einnahme der Tabletten in Bezug auf die normale Ernährung eine wichtige Rolle.

Wenn eine Krebstherapie mit Tabletten durchgeführt werden muss, kommt es nicht nur auf die richtigen Wirkstoffe an: Auch der Einnahmezeitpunkt kann sich auf die Effizienz und Toxizität der Behandlung auswirken. Das unterstreicht ein Artikel in der Fachzeitschrift InFo Hämatologie + Onkologie.

Viele Jahre, so der Bericht, wurde unterschätzt, welche Bedeutung der Zeitpunkt der Einnahme von Arzneimitteln haben kann. Dies betrifft den Tag-Nacht-Biorhythmus mit dem Einfluss verschiedener Hormone ebenso wie den zeitlichen Bezug zur täglichen Ernährung. Nahrung oder auch einzelne Nahrungsbestandteile können beispielsweise mit gleichzeitig eingenommenen Arzneimitteln interagieren. Wenn die Tabletten etwa mit Mineralwasser anstatt mit stillem Wasser eingenommen werden, können sich, wenn das Mineralwasser einen hohen Anteil sogenannter Kationen aufweist, schwer lösliche Salze bilden. Dies führt dazu, dass die eigentlichen Wirkstoffe ihre Wirkung nicht ausreichend entfalten können, es kommt somit zu einer ungewollten Unterdosierung.

Auch der umgekehrte Fall ist möglich, bei dem bestimmte Wirkstoffe besonders gut aufgelöst werden und dadurch zwar eine besonders hohe Wirksamkeit, aber auch erhöhte Toxizität mit Nebenwirkungen entfalten können. Grapefruitsaft ist ein Lebensmittel, bei dem ein solcher Effekt auftreten kann. Deshalb ist es wichtig, dass bestimmte Arzneimittel auf nüchternen Magen eingenommen werden, damit die Interaktionen mit Nahrungsmitteln vermieden werden.

Manche Substanzen können auch als Arzneistofftransporter funktionieren – sie tragen gewissermaßen die in die Krebszellen gelangten Chemotherapeutika, die dort eigentlich wirken sollen, wieder hinaus. Ein solcher Stoff ist Johanniskraut. Er aktiviert solche Arzneistofftransporter in besonderem Maße und kann eine Tumortherapie damit wirkungslos machen. Krebspatienten, die eine Chemotherapie durchführen müssen, sollten deshalb die gleichzeitige Anwendung von Johanniskraut-haltigen Präparaten unbedingt vermeiden.

 

Quelle:

Barth J. Schwerpunkt “Arzneimitteltherapiesicherheit”. Einfluss von Einnahmezeitpunkt und Nahrung auf orale Tumortherapeutika. InFo Hämatologie + Onkologie 2022; 25(3):12-19

 

(KvK)

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