Krebs bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Zeitverlust bis zur Diagnosestellung

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Oft vergeht zu viel Zeit zwischen den ersten Symptomen und der richtigen Diagnose. Dabei gibt es bei den einzelnen Krebsarten durchaus Unterschiede.

Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen dauert es oft ziemlich lange, bis eine Krebsdiagnose gestellt wird. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie in der Fachzeitschrift The Lancet Child & Adolescent Health.

Da Früherkennungsuntersuchungen für Krebserkrankungen bei Jugendlichen nicht vorgesehen sind - das Früherkennungsscreening auf Gebärmutterhalskrebs bei Frauen ist das früheste Programm und beginnt mit dem 20. Lebensjahr - werden die meisten Krebserkrankungen bei ihnen erst dann diagnostiziert, nachdem Symptome aufgetreten sind. Doch wie lange es tatsächlich von den ersten Beschwerden bis zur richtigen Diagnose dauert, wollten Wissenschaftler herausfinden. Dafür untersuchten sie die Daten von 830 Patienten im Alter von 12 bis 24 Jahren, die in einer von 96 Kliniken Englands wegen einer Krebserkrankung behandelt wurden. Die Teilnehmer wurden per Fragebögen zu ihrem Krankheitsverlauf befragt.

Bei knapp jedem Vierten von ihnen dauerte es mehr als einen Monat von den ersten Symptomen bis zur richtigen Diagnose, bei der Hälfte 62 Tage und länger. Bei Mädchen und jungen Frauen verging im Durchschnitt mehr Zeit, bis die richtige Diagnose feststand, als bei Jungen und jungen Männern. Auch hatten Mädchen und junge Frauen häufiger drei und mehr Arztbesuche hinter sich, bevor die Diagnose gestellt wurde. 

Eine entscheidende Rolle spielte zudem die Krebserkrankung selbst. So mussten Patienten mit Lymphomen und Knochentumoren am wahrscheinlichsten bis zur richtigen Diagnose drei oder mehr ärztliche Konsultationen hinter sich bringen, Patienten mit Melanomen am seltensten. Trotzdem dauerte es bei Patienten mit Melanom oft länger, bis die Diagnose gestellt wurde, weil die Betroffenen selbst mehr als einen Monat zögerten, bis sie, nachdem sie einen verdächtigen Hautfleck entdeckt hatten, einen Arzt aufsuchten. Bei Knochentumoren hingegen dauerte es von den ersten Symptomen bis zur Diagnosestellung am längsten – sie präsentierten sich wie auch Lymphome oft mit unspezifischen Symptomen, die die Ärzte vor größere Rätsel stellten, sodass sich die Diagnosestellung hinzog. Am schnellsten hingegen wurde die Diagnose bei Leukämien gestellt.

Die Studie zeige, so die Studienautoren, dass es bei jungen Krebspatienten oft Zeitverluste bis zur Diagnosestellung der Erkrankung gibt. Künftig müssten neue Strategien entwickelt werden, um diese Zeitverluste zu verringern, damit die Erkrankungen so früh wie möglich erkannt und behandelt werden können. 

 

Quelle:

Herbert A et al. Diagnostic timeliness in adolescents and young adults with cancer: a cross-sectional analysis of the BRIGHTLIGHT cohort. Lancet Child Adolesc Health 2018; 2:180-90

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 13.11.2018 19:53