Krankheitsverlauf bei Medulloblastom

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Anhand genetischer Merkmale können Wissenschaftler erkennen, ob die Prognose bei einer Erkrankung am Medulloblastom besonders gut ist oder ob die Therapie eher intensiver sein muss.

Die bisherige Kategorisierung von Patienten mit Medulloblastom in eine Standardrisikogruppe und Hochrisikogruppe reicht offenbar nicht aus. Wissenschaftler konnten innerhalb der Standardrisikogruppe Patienten identifizieren, die aufgrund bestimmter Veränderungen im Erbgut der Tumoren eine besonders gute Prognose bei der Erkrankung haben und eine weniger intensive Therapie zur Heilung benötigen. Dies zeigt ein Bericht in der Fachzeitschrift Lancet Oncology.

Rund 60 Prozent aller Patienten mit Medulloblastom fallen in die Standardrisikogruppe. Bei ihren Tumoren fehlen bestimmte Merkmale, die ein höheres Risiko für einen ungünstigen Verlauf anzeigen, zum Beispiel eine Ausbreitung (Metastasierung) in andere Organe. 75 bis 85 Prozent dieser Patienten können die Krankheit ohne einen weiteren Rückfall überstehen. Doch trifft die gute Prognose eben nicht auf alle Patienten, die in die Standardrisikogruppe fallen, zu. Deshalb galt es, neue prognostische Merkmale zu finden.

In der aktuellen europaweiten Studie werteten die Forscher die Daten von 338 Patienten im Alter von vier bis 21 Jahren mit Medulloblastom aus. Demnach hatten Patienten unter 16 Jahren in der Regel eine günstigere Prognose. Außerdem identifizierten die Forscher Veränderungen, sogenannte Mutationen, in bestimmten Chromosomen (7, 8 und 11), die mit einem günstigen Krankheitsverlauf verbunden waren. Die Patienten, die diese Mutationen in den Tumorzellen aufwiesen, waren nach fünf Jahren fast alle noch immer krankheitsfrei. Bei den übrigen Patienten gelang dies nur in 60 bis 68 Prozent der Fälle.

Eine bestimmte genetische Signatur des Tumors zeige somit an, ob ein Patient mit Medulloblastom eine besonders gute Prognose habe oder nicht, so die Studienautoren. Möglicherweise könne bei diesen Patienten die Therapie besonders schonend gestaltet werden, während die übrigen eine intensivere Behandlung benötigten, um von der Krankheit geheilt werden zu können.

 

Quelle:

Goschzik T et al. Prognostic effect of whole chromosomal aberration signatures in standard-risk, non-WNT/non-SHH medulloblastoma: a retrospective, molecular analysis of the HIT-SIOP PNET 4 trial. Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 1. November 2018, http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(18)30532-1

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 11.12.2018 16:42