Kopf-Halstumoren: Wer profitiert?

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Bestimmte Biomarker zeigen offenbar an, wann eine zielgerichtete Therapie mit einem Tyrosinkinasehemmer bei wiedergekehrten oder metastasierten Kopf-Halstumoren besonders lohnenswert ist.

Wenn ein bösartiger Kopf-Halstumor nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung wiederkehrt oder sich mit Tochtergeschwülsten, sogenannten Metastasen, in andere Organe ausbreitet, kann eine zielgerichtete Therapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Afatinib die Krankheit vorübergehend aufhalten. Wissenschaftler identifizierten jetzt Biomarker, die im Voraus anzeigen können, ob diese Therapie bei einem Patienten Erfolg haben wird oder nicht. Die Forscher stellten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Annals of Oncology vor.

An der Studie nahmen insgesamt 483 Patienten mit einem bösartigen Kopf-Halstumor teil, der nach mindestens zwei Zyklen einer platinbasierten Chemotherapie weiter voranschritt. Bei einigen hatte sich der Tumor bereits in andere Organe ausgebreitet. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Teilnehmer entweder mit dem Tyrosinkinasehemmer Afatinib oder mit dem Chemotherapeutikum Methotrexat behandelt. Afatinib blockiert mehrere für das Tumorwachstum wichtige Bindungsstellen (Rezeptoren) und hemmt so das Eintreffen wachstumsstimulierender Signale in den Krebszellen.

Die Forscher untersuchten im Zusammenhang mit dem Ansprechen auf die Afatinibtherapie mehrere in Frage kommende Tumormarker. Tatsächlich kristallisierten sich einige als aussagekräftig heraus: Die Zeit, bis der Tumor weiter voranschritt, war länger bei Tumoren, die nicht mit HPV16 in Verbindung standen (humane Papillomviren Typ 16), bei Tumoren mit EGFR-Amplifikation (Vermehrung des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors - Epidermal Growth Factor Receptor), bei Tumoren mit niedrigem HER3 sowie bei Tumoren mit hoher Konzentration an PTEN, einer Phosphatase, die das Zellwachstum hemmt und damit Tumoren unterdrückt.

Nach Ansicht der Studienautoren könne eine Biomarkeranalyse dazu beitragen, Patienten mit Kopf-Halstumoren zu erkennen, die nach dem Versagen einer ersten Chemotherapie bzw. bei metastasierter Erkrankung von einer zielgerichteten Therapie mit Afatinib profitieren. Die Untersuchungen dazu seien allerdings noch längst nicht abgeschlossen.

 

Quelle:

Cohen, E. E. W. et al.: Biomarkers predict enhanced clinical outcomes with afatinib versus methotrexate in patients with second-line recurrent and/or metastatic head and neck cancer. Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 14. Juli 2017, DOI: https://doi.org/10.1093/annonc/mdx344

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.08.2017 16:14