Kopf-Halstumoren: Wenn die Gene bestimmend sind

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Bestimmte genetische Veränderungen sind mit ungünstigeren Verläufen bei Kopf-Halstumoren verbunden.

Bei zahlreichen Tumoren gibt es bestimmte genetische Voraussetzungen, die bewirken, dass eine erhöhte Neigung für ihre Entstehung besteht und/oder es zu ungünstigeren Krankheitsverläufen kommt. Offenbar gilt ähnliches auch für Kopf-Halstumoren wie Zungen-, Rachen- oder Kehlkopfkrebs. Wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Oral Oncology berichteten, fällt die genetische Veranlagung bei solchen Tumoren mitunter sogar schwerer ins Gewicht als andere bereits bekannte starke Risikofaktoren wie Rauchen, hoher Alkoholkonsum oder eine Infektion mit krebserregenden humanen Papillomviren.

In der Studie wurden Blutproben von insgesamt 90 Patienten untersucht, wobei besonders die sogenannten Humanen Leukozyten-Antigene (HLA) im Blickpunkt standen. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Aktivierung von T-Lymphozyten im Falle einer Immunreaktion zur Abwehr von Krankheitserregern oder auch Krebszellen. Die Forscher stellten fest, dass bei den Patienten mit Kopf-Halstumoren einige Allele des Gens HLA-B in veränderter Häufigkeit vorkamen, was zum Teil selbst bei fehlenden Risikofaktoren wie hohem Alkoholkonsum oder höherem Lebensalter mit einem schlechteren Krankheitsverlauf verbunden war.

So hatten die Patienten mit Kopf-Halstumoren zahlreiche veränderte HLA-B-Häufigkeiten: Manche Allele kamen seltener (B∗44), andere häufiger (B∗13, B∗52 und B∗57) vor als normalerweise. Einige dieser Veränderungen waren mit einer ungünstigeren Prognose der Kopf-Halstumorerkrankungen verbunden: Es kam früher und öfter zu lokoregionalen Rückfällen, und das krankheitsfreie Überleben war geringer. Die gefundenen HLA-Merkmale konnten in den statistischen Analysen mit größerer Sicherheit den zu erwartenden Krankheitsverlauf vorhersagen als andere bekannte Faktoren wie Lebensalter, Alkoholkonsum, Rauchen, der Ort des Tumors, seine Größe oder ein Befall von Lymphknoten. 

 

Quelle:

Wichmann, G. et al.: HLA traits linked to development of head and neck squamous cell carcinoma affect the progression-free survival of patients. Oral Oncology 2017, 69:115–27

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.08.2017 16:14