Kinderwunsch: Auch nach einer Chemotherapie erfüllbar

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Trotz einer Chemotherapie wegen Krebs im Kindes- oder Jugendalter können die meisten betroffenen Mädchen und Jungen später noch Kinder bekommen. 

Erkranken jüngere Menschen an Krebs, stellt sich oft die Frage nach dem Kinderwunsch: Sowohl bei Frauen als auch bei Männern kann infolge der Therapien die Zeugungsfähigkeit leiden. Wissenschaftler untersuchten dies jetzt für die Chemotherapie – mit einem Ergebnis, das hoffnungsfroh stimmt. Der Bericht erschien kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet Oncology.

Die Forscher stützten sich auf Daten der Childhood Cancer Survivor Study Kohorte (USA, Kanada 1970-1999), die Überlebende einer Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter begleitete. Bei allen war der Krebs vor dem 21. Lebensjahr diagnostiziert worden, alle hatten die Diagnose mindestens fünf Jahre überlebt. Ermittelt wurde, wie viele Kinder von den ehemaligen Krebspatienten zwischen dem 15. und 44. Lebensjahr gezeugt und lebend geboren wurden.

Einbezogen wurden die Daten von fast 11.000 Männern und Frauen, die eine Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter überstanden hatten, sowie knapp 4.000 Geschwistern. Nach einer Beobachtungszeit von mehr als acht Jahren hatten 38 Prozent der Überlebenden ein Kind gezeugt, von denen 83 Prozent lebend auf die Welt kamen – nach zehn Jahren waren es 62 und 90 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit ein Kind zeugen bzw. schwanger werden zu können, war bei beiden Geschlechtern nach Überstehen einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter gegenüber den Geschwistern reduziert. 

Dabei wirkte sich die Art der Chemotherapie aus: Bei Männern senkte eine Chemotherapie mit Cyclophosphamid die Chance auf Vaterschaft, bei Frauen setzte eine Chemotherapie mit Busulfan oder Lomustin in bestimmten Dosen die Fruchtbarkeit herab – Cyclosphosphamid hatte bei Frauen nur in der höchsten Dosis einen negativen Effekt.

Generell, so die hoffnungsvoll stimmende Botschaft der Studienautoren, wirke sich eine Chemotherapie ohne Strahlentherapie des Beckens oder Gehirns langfristig bei Frauen und Männern nur wenig auf die Fruchtbarkeit und Gebärfähigkeit aus. Dessen ungeachtet sollte vor Beginn einer solchen Behandlung über Möglichkeiten des Fertilitätserhalts nachgedacht werden.

 

Quelle:

Chow, E. J. et al.: Pregnancy after chemotherapy in male and female survivors of childhood cancer treated between 1970 and 1999: a report from the Childhood Cancer Survivor Study cohort. The Lancet Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 22. März 2016, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1470-2045(16)00086-3

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 18.08.2017 15:05