(Kein) Krebs durch moderne Rheumatherapien?

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Generell konnte in einer großen Studie kein Zusammenhang zwischen der langjährigen Einnahme biologischer Immunmodulatoren wie TNF-alpha-Hemmer und einer Häufung von Krebserkrankungen beobachtet werden. Möglicherweise aber bestehen Risiken für einzelne Krebsarten.

Bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis konnte in der jüngeren Vergangenheit durch die Einführung sogenannter biologischer Immunmodulatoren (bDMARD) wie der TNF-alpha-Hemmer ein deutlicher Fortschritt erzielt werden. Doch die langjährige Blockade des Immunsystems infolge dieser Medikamente bleibt vermutlich nicht folgenlos, weshalb die Wirkstoffe einer kritischen wissenschaftlichen Beobachtung unterliegen. Entwarnung gibt es nun von einer Studie zur möglichen Entwicklung bösartiger Tumoren: Demnach kam es in den ersten zehn Jahren der Anwendung biologischer Immunmodulatoren bei Patienten mit rheumatoider Arthritis nicht zu einem Anstieg von Krebserkrankungen (Fachzeitschrift JAMA Intern Med.).

Wirkstoffe wie Etanercept, Adalimumab oder Infliximab hemmen den Tumornekrosefaktor (TNF) alpha, andere blockieren CD20 wie Rituximab oder wirken an der Bindungsstelle für Interleukin 6 wie Tocilizumab. Die damit verbundene Blockade des Immunsystems stoppt die autoaggressiven Entzündungsreaktionen, die bei rheumatischen Erkrankungen stattfinden und sich gegen körpereigene Gewebe richten. Dadurch kann das Voranschreiten der entzündlichen Gelenkzerstörungen aufgehalten werden.

In der bevölkerungsbasierten vorausschauenden (prospektiven) Kohortenstudie aus Schweden nun wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen der Einnahme biologischer Immunmodulatoren und der Entwicklung von Krebserkrankungen untersucht. Die Rheumapatienten begannen – je nach Wirkstoff – mit der Einnahme im mittleren Alter von 58 bis 64 Jahren, der Anteil an Frauen überwog. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe erkrankten die Patienten, die wegen einer rheumatoiden Arthritis bDMARDs einnehmen mussten, in der Folgezeit nicht häufiger an Krebs als die Kontrollpersonen. Lediglich Plattenepithelkarzinome der Haut ("heller" Hautkrebs), traten unter dem Wirkstoff Abatacept, der durch die Bindung an CD80 und CD86 eine Aktivierung von T-Zellen des Immunsystems unterdrückt, häufiger auf.

Generell, so die Interpretation der Studienautoren, müssen Patienten mit rheumatoider Arthritis offenbar kein erhöhtes Krebsrisiko befürchten, wenn sie biologische Immunmodulatoren einnehmen. Dies gilt sowohl für Patienten, die zuerst TNF-alpha-Hemmer erhalten, als auch für Patienten, die zuvor bereits mit anderen Biologika behandelt wurden. Auch eine Einnahme über mehr als vier Jahre erhöht das Risiko für zum Beispiel schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) nicht. Jedoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich noch zu einem späteren Zeitpunkt Krebsrisiken zeigen, möglicherweise auch nur bei einigen Krebsarten. Deshalb müssten diese Therapien auch weiterhin wissenschaftlich überwacht werden. 

 

Quelle:

Wadström, H. et al.: Malignant Neoplasms in Patients With Rheumatoid Arthritis Treated With Tumor Necrosis Factor Inhibitors, Tocilizumab, Abatacept, or Rituximab in Clinical Practice. A Nationwide Cohort Study From Sweden. JAMA Intern Med., Onlinevorabveröffentlichung am 18. September 2017, doi:10.1001/jamainternmed.2017.4332

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07