Infektionen – eine gewichtige Quelle für Krebs

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Weltweit werden mehr als ein Sechstel aller Krebserkrankungen durch Krankheitserreger ausgelöst.

Eine gewichtige Ursache für Krebserkrankungen sind Infektionen mit Krankheitserregern wie Bakterien, Viren und Parasiten. Wissenschaftler der International Agency for Research on Cancer lieferten in der Fachzeitschrift Lancet aktuelle Zahlen für das Jahr 2012. Demnach gingen mehr als ein Sechstel der 14 Millionen neuen Krebsfälle weltweit auf das Konto von krebserregenden Infektionen.

Elf potenziell krebsauslösende Krankheitserreger standen im Fokus der Untersuchung: Helicobacter pylori, Hepatitis B- und C-Virus, HIV-Typ 1, die humanen Papillomvirus(HPV)-Typen 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58 und 59, Epstein-Barr-Virus (EBV), humane Herpesviren Typ 8 (auch bekannt als Kaposi’s Sarkomviren), humane T-Zell-lymphotrophischer-Virus-Typ 1 (HTLV-1), Opisthorchis viverrini, Clonorchis sinensis und Schistosoma haematobium. Manche davon sind weltweit verbreitet, andere nur in bestimmten Regionen. Helicobacter pylori beispielsweise findet sich überall, jedoch besonders oft in Ostasien und verursacht Magenkrebs. Hepatitis B- und C-Viren gelten als Verursacher von Leberkrebs, HP-Viren sind für Gebärmutterhalskrebs, weitere Krebsarten des Genitaltrakts sowie bösartige Kopf-Halstumoren verantwortlich.

Von ca. 14 Millionen neuen Krebsfällen im Jahr 2012 gingen vermutlich 2,2 Millionen (15,4 Prozent) auf das Konto krebsauslösender Infektionen. Weltweit am häufigsten handelte es sich um Helicobacter pylori (770.000 Fälle), HPV (640.000), Hepatitis B (420.000), Hepatitis C (170.000) und Epstein-Barr-Virus (120.000). Der Anteil war in den einzelnen Ländern unterschiedlich und reichte von fünf Prozent in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und einigen Ländern Nord- und Westeuropas bis über 50 Prozent in manchen Ländern Sub-Sahara-Afrikas. 

Vermutlich könnte eine große Zahl von Krebserkrankungen weltweit vermieden werden, wenn ein ausreichender Infektionsschutz vorgenommen würde, so interpretierten die Studienautoren ihre Ergebnisse. Hierfür wären allerdings umfangreiche Schutz- und Impfprogramme notwendig. So existieren beispielsweise wirkungsvolle Impfungen gegen Hepatitis B- und C-Viren sowie gegen einige HP-Virustypen.

 

Quelle:

Plummer, M. et al.: Global burden of cancers attributable to infections in 2012: a synthetic analysis. Lancet GlobHealth 2016, Onlinevorabveröffentlichung am 25. Juli 2016, http://dx.doi.org/10.1016/S2214-109X(16)30143-7

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.05.2017 21:12