In die Haut, statt in die Vene

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Bei HER2-positivem Brustkrebs kann ein Antikörper auch „subkutan“, also unter die Haut gespritzt, anstatt als Infusion über eine Vene verabreicht werden.

Wenn Brustkrebszellen auf ihrer Oberfläche verstärkt eine Bindungsstelle für den epidermalen Wachstumsfaktor 2 ausbilden und somit als „HER2-positiv“ (epidermaler Wachstumsfaktorrezeptor 2 = Human Epithelial growth factor Receptor 2) gelten, können die Betroffenen nach der Operation unterstützend mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab behandelt werden. Der Wirkstoff, in der Regel als Infusion über eine Vene verabreicht, kann auch „subkutan“ unter die Haut gespritzt werden, ohne dass dabei Einbußen in der Wirksamkeit oder mehr Unverträglichkeitsreaktionen zu befürchten wären. Das berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift European Journal of Cancer.

Trastuzumab bindet an HER2 und hemmt dadurch die weitere Vermehrung der Krebszellen. In frühen und fortgeschrittenen Krankheitsstadien kann die Trastuzumabtherapie in Kombination mit Chemotherapie bei HER2-positiven Brusttumoren das Tumorwachstum aufhalten und die krankheitsfreie Zeit verlängern. Eine verstärkte Bildung des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors HER2 kommt bei etwa jeder vierten Brustkrebspatientin vor. Bei einer subkutan durchgeführten Therapie mit Trastuzumab müssen die Patientinnen weniger Zeit im Krankenhaus verbringen, weil die Gabe bedeutend rascher erfolgen kann als bei der intravenösen Infusion.

In der aktuellen Studie wurden die Daten von 2.573 Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Stadium I bis IIIC ausgewertet. Alle drei Wochen über insgesamt 18 Zyklen wurden die Patientinnen subkutan, also in die Haut mit Trastuzumab gespritzt. Die Mehrheit von ihnen erhielt zudem eine Chemotherapie. 

Rund neun von zehn Patientinnen erlebten bei dieser Therapie Nebenwirkungen. Bei fünf Prozent waren diese Nebenwirkungen so stark, dass sie zum Abbruch der Behandlung führten. Knapp ein Viertel hatte Nebenwirkungen Grad 3 und mehr, rund 13 Prozent schwerwiegende Nebenwirkungen. Dabei hing die Rate an Nebenwirkungen davon ab, wann die Chemotherapie stattfand: Wurde sie gleichzeitig mit der Trastuzumabbehandlung durchgeführt, traten mehr Nebenwirkungen auf, als wenn beide Therapie abwechselnd (sequentiell) verabreicht wurden.

 

Quelle:

Gligorov, J. et al.: Safety and tolerability of subcutaneous trastuzumab for the adjuvant treatment of human epidermal growth factor receptor 2-positive early breast cancer: SafeHer phase III study's primary analysis of 2573 patients. European Journal of Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 15. Juni 2017, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.ejca.2017.05.010 

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 17.11.2017 13:18