Immuntherapie gegen schwarzen Hautkrebs, wenn Autoimmunerkrankung vorliegt?

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Auch bei Patienten, die zusätzlich zum Melanom an einer Autoimmunerkrankung leiden, kann eine Immuntherapie mit einem Checkpointblocker gut wirken und sicher durchgeführt werden.

Die neuartigen Immuntherapien, bei denen die körpereigene Abwehr gegen die Krebszellen mobilisiert wird, haben in den letzten Jahren bei einigen Krebsarten wie etwa schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, die Überlebensaussichten deutlich verbessert. Doch dürfen sie auch dann eingesetzt werden, wenn gleichzeitig eine Autoimmunerkrankung vorliegt, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet? Dieser Frage gingen Wissenschaftler aus den Niederlanden in einer Studie nach und berichteten nun über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine.

Die Forscher beobachteten den Krankheitsverlauf bei 4.367 Patienten mit fortgeschrittenem Melanom, deren Daten zwischen 2013 und 2018 im Dutch Melanoma Treatment Register festgehalten worden waren. 415 der Patienten (9,5%) litten zusätzlich zum Melanom an einer Autoimmunerkrankung, darunter rheumatologischen Erkrankungen, das Hormonsystem betreffende Erkrankungen oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Gut die Hälfte von ihnen wurde wegen des Melanoms mit einer Immuntherapie mit einem CTLA4-Blocker, einem PD-1-Blocker oder einer Kombination aus beidem behandelt.

Schwere Nebenwirkungen (Grad 3 oder mehr) wurden bei 30% der Patienten mit Autoimmunerkrankung beobachtet, die einen CTLA-Blocker erhielten, bei 17% derjenigen, die einen PD-1-Blocker erhielten und bei 44% derjenigen, die mit einer Kombination aus beidem behandelt worden waren. Bei den Patienten, die nicht gleichzeitig an einer Autoimmunerkrankung litten, traten solche Nebenwirkungen zahlenmäßig folgendermaßen auf: 30% bei CTLA4-Blocker, 13% bei PD-1-Blocker und 48% bei der Kombination aus beidem. Diese Zahlen waren statistisch gesehen etwa gleich. Allerdings traten bestimmte Nebenwirkungen wie etwa Darmentzündungen bei den Patienten mit Autoimmunerkrankungen häufiger auf, außerdem brachen auch mehr Patienten mit einer Autoimmunerkrankung die Immuntherapie wegen Nebenwirkungen ab.

Die objektiven Ansprechraten auf die Immuntherapie waren bei Patienten mit und ohne Autoimmunerkrankung vergleichbar. Und auch auf die Überlebensaussichten hatte das gleichzeitige Vorliegen einer Autoimmunerkrankung keine Auswirkungen.

Auch Patienten mit einer Autoimmunerkrankung können, so die Einschätzung der Studienautoren, bei malignem Melanom sicher und wirksam mit einer Immuntherapie behandelt werden. Allerdings sollte ein gutes Monitoring während der Behandlung erfolgen, um etwaige Komplikationen rechtzeitig zu bemerken.

 

Quelle:

van der Kooij MK et al. Safety and Efficacy of Checkpoint Inhibition in Patients With Melanoma and Preexisting Autoimmune Disease. A Cohort Study. Annals of Internal Medicine, Onlinevorabveröffentlichung am 16. Februar 2021, https://doi.org/10.7326/M20-3419

 

(KvK)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

Zurück

Zuletzt aufgerufen am: 15.04.2021 11:36