Immuntherapie beim Merkelzellkarzinom

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Zum ersten Mal wurde ein Checkpoint-PD1-Blocker bei einer Form von hellem Hautkrebs in den USA zugelassen.

Ein seltener, oft aggressiver nicht-melanozytärer, also „heller“ Hautkrebs ist das Merkelzellkarzinom. Wird die Krankheit im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert, ist die Prognose eher ungünstig, weil sich der Tumor bereits in andere Organe ausgebreitet (metastasiert) hat und nicht mehr zu stoppen ist. Nun wurde in den USA zum ersten Mal eine Immuntherapie beim metastasierten Merkelzellkarzinom zugelassen: Bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren darf der Checkpoint-PD1-Blocker Avelumab eingesetzt werden, unabhängig davon, ob sie bereits eine Chemotherapie hinter sich haben oder nicht. Die Zulassung beruht auf den Ergebnissen einer Studie, die in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlicht worden waren.

Im fortgeschrittenen Stadium kann beim Merkelzellkarzinom eine Chemotherapie eingesetzt werden, doch kehrt der Tumor, selbst wenn er zunächst gut darauf anspricht, meist innerhalb weniger Monate zurück. Neue effizientere Therapieoptionen sind deshalb gefragt. In der Phase II-Studie, die zur Zulassung in den USA geführt hat, wurden weltweit 88 Patienten mit Merkelzellkarzinom im Stadium IV mit mindestens einer Dosis Avelumab behandelt. Bei allen war der Tumor zuvor unter Chemotherapie weiter vorangeschritten – eine aussichtslose Situation, in der den Ärzten nach bisherigem Stand keine Behandlungsmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen. Knapp ein Drittel der Patienten sprach auf die Therapie mit dem Checkpointblocker an, bei acht Patienten verschwand der Tumor sogar vollständig. Bei 82 Prozent derjenigen, die auf die Therapie ansprachen, hielt das Ansprechen über längere Zeit an, bei einigen auch noch zum Zeitpunkt der Analyse. Nach elf Monaten war die Hälfte der Patienten noch am Leben – ein Wert, der ohne die Immuntherapie in einer entsprechenden Patientengruppe nicht erreicht werden kann.

Fünf Prozent der Patienten erlebten stärkere Nebenwirkungen (Grad 3), schwerwiegende Komplikationen traten bei sechs Prozent der Patienten auf, darunter waren Darmentzündung, Nierenentzündungen und Gelenkentzündungen.

Auch für die EU wird eine Zulassung von Avelumab für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Merkelzellkarzinom erwartet, vermutlich wird sie noch im Herbst dieses Jahres erfolgen.

 

Quellen:

Kaufman HL et al. Avelumab in patients with chemotherapy-refractory metastatic Merkel cell carcinoma: a multicentre, single-group, open-label, phase 2 trial. Lancet Oncol. 2016;17(10):1374-85

Vortrag von Prof. Dr. Axel Hauschild anlässlich der 49. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 26.-29. April 2017, Berlin

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 18.08.2017 15:05