Immuntherapie bei schwarzem Hautkrebs

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Stört eine bestehende Autoimmunerkrankung den Behandlungserfolg einer Anti-PD-1-Checkpoint-Blockade bei malignem Melanom? Oder treten gar schwere das Immunsystem betreffende Nebenwirkungen bei dieser Therapie auf?

Bei fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, kann eine Immuntherapie mit sogenannten PD-1-Checkpoint-Blockern wie Dasatinib oder Nilotinib die Überlebensaussichten verbessern. Doch wie effizient bzw. risikoreich ist eine solche Immuntherapie bei Patienten mit bekannter Autoimmunkrankheit oder solchen, die auf eine Behandlung mit dem CTLA-4-Hemmer Ipilimumab mit einer schweren Immunsystem-bezogenen Nebenwirkung reagiert haben? Dieser Frage gingen Wissenschaftler in einer Studie nach, deren Ergebnisse sie jetzt in der Fachzeitschrift Annals of Oncology veröffentlichten.

An der Studie nahmen 119 Patienten aus 13 Zentren teil, die wegen eines fortgeschrittenen Melanoms mit einem Anti-PD-1-Antikörper behandelt wurden. 52 von ihnen litten an einer Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet und diese schädigt, etwa Rheumatoide Arthritis, Polymyalgia rheumatica, Sjogren’s Syndrom oder Psoriasis. Die Ansprechrate dieser Patienten auf die Anti-PD-1-Checkpoint-Blockade lag bei 33 Prozent, d.h. ein Drittel der Patienten sprach auf die Behandlung an.

Neuer Schub ist möglich

38 Prozent der Patienten erlitten unter der Immuntherapie gegen das Melanom einen Schub der Autoimmunerkrankung. Zwei dieser Patienten (vier Prozent) mussten die Krebstherapie deshalb abbrechen. 15 weitere (29 Prozent) erlitten andere durch das Immunsystem ausgelöste Nebenwirkungen, weshalb weitere vier Patienten (acht Prozent) die Therapie abbrachen.

Alte und neue Immunsystem-bezogene Nebenwirkungen

Bei den 67 Patienten, die zuvor mit Ipilimumab behandelt worden waren und starke immunbezogene Nebenwirkungen erlitten hatten, sodass sie Medikamente zur Unterdrückung der Immunreaktionen benötigten, betrug die Ansprechrate auf die Anti-PD-1-Checkpoint-Blockade 40 Prozent. Von ihnen mussten acht Patienten (12 Prozent) die Behandlung abbrechen, weil sie unter der Anti-PD-1-Therapie entweder dieselben Nebenwirkungen wie unter Ipilimumab oder andere Immunsystem-bezogene Nebenwirkungen entwickelten. Todesfälle traten nicht auf.

Geeignete Therapieoption

Oftmals, so die Studienautoren, waren die auftretenden das Immunsystem betreffenden Nebenwirkungen mild und gut behandelbar. Eher selten musste deshalb die Therapie mit Anti-PD-1-Blockern abgebrochen werden. Gleichzeitig waren die Ansprechraten unter den Patienten, die an einer Autoimmunerkrankung litten oder unter der ersten Immuntherapie wegen des Melanoms schwere Immunsystem-bezogene Nebenwirkungen entwickelt hatten, gut – ein signifikanter Anteil von Patienten sprach auf die Therapie an. Die Autoren bewerteten die Anti-PD-1-Checkpoint-Blockade deshalb als geeignete Therapieoption für diese Patientengruppe.

 

Quelle:

Menzies, A. M. et al.: Anti-PD-1 therapy in patients with advanced melanoma and preexisting autoimmune disorders or major toxicity with ipilimumab Annals of Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 29. September 2016, doi: 10.1093/annonc/mdw443

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07