Immuntherapie bei metastasiertem Darmkrebs wirksam

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Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Immuntherapie mit einem Checkpointblocker die Überlebensaussichten verbessern.

Patienten mit metastasiertem Darmkrebs können von einer Immuntherapie mit einem sogenannten Checkpoint-PD-1-Blocker profitieren. Im Vergleich zur Chemotherapie verbessert sich das Überleben, ohne dass die Krankheit weiter voranschreitet, signifikant, wie Wissenschaftler anlässlich der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) sowie in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology berichteten. Allerdings betrifft dies nur Patienten, deren Tumor eine bestimmte Eigenschaft aufweist, eine sogenannte "hochgradige Mikrosatelliteninstabilität" (kurz MSI-H). 

Knapp fünf Prozent aller Patienten mit metastasiertem Darmkrebs haben Tumoren mit MSI-H. Dabei liegt in den Krebszellen ein Defekt in den Reparaturmechanismen des Erbguts, der DNA, vor. Immer dann, wenn sich die DNA bei der Zellteilung verdoppelt, können kleine Fehler entstehen, die normalerweise sofort behoben werden und damit keinerlei Auswirkungen haben. Wenn jedoch der Reparaturmechanismus („Mismatch Repair“) gestört ist, häufen sich im Laufe vieler Zellteilungen diese Fehler und damit Veränderungen im Erbgut der Zellen an. Je mehr Genveränderungen in den Krebszellen im Vergleich zu gesunden Zellen vorliegen – Mediziner sprechen von einer hohen Mutationslast -, desto besser sprechen diese auf eine Immuntherapie an, weil sie für das Immunsystem viele Angriffspunkte bieten.

In der aktuellen Phase III-Studie war untersucht worden, wie effizient eine Immuntherapie mit einem PD-1-Blocker im Vergleich zur Standardchemotherapie mit oder ohne Antikörpertherapie wirkt. Es nahmen 307 erwachsene Patienten mit metastasiertem Darmkrebs teil, bei denen MSI-H vorlag. Die Überlebenszeit, ohne dass die Krankheit weiter voranschritt, verdoppelte sich infolge der Immuntherapie. Und auch die Überlebensraten, ohne dass die Krankheit weiter voranschritt, nach einem und zwei Jahren waren in der Immuntherapiegruppe signifikant besser als in der Chemotherapiegruppe. Es sprachen mehr Patienten auf die Immuntherapie an, zudem hielt das Ansprechen länger an. Gleichzeitig erwies sich die Immuntherapie als verträglicher, es traten weniger schwere Nebenwirkungen (Grad 3-5) auf.

Für Patienten mit metastasiertem Darmkrebs mit hochgradiger Mikrosatelliteninstabilität sollte nach Ansicht der Studienautoren die Immuntherapie mit einem PD-1-Blocker zum neuen Standard in der Erstbehandlung werden. Sie habe sich bei dieser Patientengruppe als effizient und verträglich erwiesen.

 

Quelle:

Andre T et al. Pembrolizumab versus chemotherapy for microsatellite instability-high/mismatch repair deficient metastatic colorectal cancer: The phase 3 KEYNOTE-177 study. Journal of Clinical Oncology 38: 2020 (suppl; abstr LBA4)

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 22.10.2020 16:24