Immuntherapie bei Glioblastom ohne Vorteil gegenüber zielgerichteter Therapie

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In einer Studie erweist sich bei einem ersten Rückfall eine Immuntherapie der zielgerichteten Therapie nicht als überlegen.

Glioblastome, die die häufigsten bösartigen Hirntumoren bei Erwachsenen sind, wachsen oft aggressiv, weshalb die Behandlung der Patienten schwierig ist und Wissenschaftler weiter auf der Suche nach wirksameren Therapien sind. Nun berichtete eine Forschergruppe in der Fachzeitschrift JAMA Oncology über den Versuch, bei Patienten mit wiedergekehrtem Glioblastom eine Immuntherapie mit einem PD-1-Blocker anzuwenden.

An der Phase III-Studie nahmen 369 Patienten teil, die eine Standardstrahlentherapie und Chemotherapie mit einem bestimmten Zytostatikum erhalten und anschließend einen ersten Rückfall erlitten hatten. Sie wurden nun mit entweder einem PD-1-Blocker oder einer zielgerichteten Therapie mit einem Angiogenesehemmer behandelt. Bei der Angiogenesehemmung wird in erster Linie die Blutzufuhr an den Tumor unterbunden, sodass die Krebszellen nicht mehr wachsen können und absterben. Bei der Immuncheckpoint-PD-1-Blockade hingegen wird das körpereigene Immunsystem zu einer verstärkten Reaktion gegen die Krebszellen angeregt.

Das Gesamtüberleben war in den beiden Behandlungsgruppen vergleichbar, jeweils die Hälfte der Patienten überlebte rund zehn Monate oder mehr, gut vier von zehn Patienten waren jeweils in beiden Gruppen nach einem Jahr noch am Leben. Unter dem Angiogenesehemmer wurde eine höhere objektive Ansprechrate erreicht, auch war das Überleben, ohne dass die Krankheit voranschritt, besser. Es deutete sich jedoch an, dass bestimmte Patienten (mit sogenanntem methyliertem MGMT-Promotor) eher von der Immuntherapie profitieren könnten als von der Angiogenesehemmung. Die Rate schwerer Nebenwirkungen Grad 3 oder 4 war in beiden Gruppen gleich.

Damit, so die Studienautoren, habe sich die Immuntherapie im Vergleich zur Angiogenesehemmung keinesfalls als grundsätzlich wirksamer erwiesen. Den beobachteten Unterschieden in bestimmten Patientengruppen müsse in weiteren Studien nachgegangen werden.

 

Quelle:

Reardon DA et al. Effect of Nivolumab vs Bevacizumab in Patients With Recurrent Glioblastoma. The CheckMate 143 Phase 3 Randomized Clinical Trial. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 21. Mai 2020, doi:10.1001/jamaoncol.2020.1024

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 02.07.2020 15:09