Immuntherapie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs?

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In einer Studie konnten bei Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs durch eine Immuntherapie mit dem CTL-A4-Blocker Ipilimumab keine Überlebensvorteile erzielt werden.

Bei einigen Krebsarten sorgten zuletzt neuartige Immuntherapien für Furore, die das Immunsystem gegen die Krebszellen ankurbeln und so bei fortgeschrittenen Tumoren für längere Zeit zum Stillstand führen können. Forscher untersuchten nun, ob dies auch für Prostatakrebs gilt, der sich bereits ausgebreitet und beispielsweise in den Knochen Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, gebildet hat. Über die Ergebnisse der Studie berichteten sie in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology.

An der Untersuchung nahmen rund 600 Patienten teil, bei denen Prostatakrebs im metastasierten Stadium diagnostiziert worden war, wobei die Metastasen keine Bauchorgane betrafen. Keiner der Patienten war bis zum Beginn der Studie mit einer Chemotherapie behandelt worden, aber bei allen war der Tumor trotz Operation und/oder einer Therapie zur Unterdrückung der männlichen Geschlechtshormone weitergewachsen. Nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wurden die Patienten entweder mit dem CTL-A4-Blocker Ipilimumab oder einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt. Ipilimumab ist ein sogenannter Checkpoint-Blocker. An speziellen Bindungsstellen an T-Lymphozyten des Immunsystems kann er anbinden, woraufhin diese die Krebszellen verstärkt attackieren. Zunächst wurden die Patienten in der Studie mit Ipilimumab oder Placebo alle drei Wochen bis zu insgesamt vier Dosen behandelt. Anschließend wurde bei denjenigen, bei denen der Tumor nicht weiter voranschritt, alle drei Monate eine Erhaltungsdosis verabreicht.

Keine Überlebensvorteile

In beiden Therapiegruppen lebte jeweils die Hälfte der Patienten rund 29 bis 30 Monate und länger. Auch hinsichtlich des Zeitpunkts, an dem die Krankheit wieder voranschritt, gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen: In der Ipilimumabgruppe geschah dies bei der Hälfte der Patienten nach rund fünfeinhalb Monaten, in der Placebogruppe nach rund vier Monaten. Allerdings reagierten von den Patienten, die mit Ipilimumab behandelt worden waren, erheblich mehr mit einer Senkung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) als von den Patienten in der Placebogruppe (knapp ein Viertel gegenüber acht Prozent). PSA ist ein Parameter, der als Tumormarker zur Verlaufskontrolle der Krebstherapie herangezogen wird.  

Vorteile für bestimmte Patienten?

Die Immuntherapie mit Ipilimumab brachte für Patienten mit metastasiertem Prostatakrebs gegenüber der Behandlung mit Placebo keinen Vorteil im Gesamtüberleben, so das ernüchternde Fazit der Studienautoren. Die deutlich häufigere Senkung von PSA unter Ipilimumab jedoch deute an, dass manche Patienten womöglich doch von einer solchen Therapie profitieren könnten. Nun müsse herausgefiltert werden, um welche Patienten es sich dabei handelt und wie groß der Vorteil sein könnte. 

 

Quelle:

Beer, T. M. et al.: Randomized, Double-Blind, Phase III Trial of Ipilimumab Versus Placebo in Asymptomatic or Minimally Symptomatic Patients With Metastatic Chemotherapy-Naive Castration-Resistant Prostate Cancer. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 10. Oktober 2016, doi: 10.1200/JCO.2016.69.1584

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 21.09.2017 16:40