HPV-bedingter Mundrachenkrebs: Für eine bessere Prognose das Rauchen aufgeben

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Die Überlebensaussichten verbessern sich beim Rauchverzicht – unabhängig davon, wie intensiv vorher geraucht wurde.

Wenn bei Mundrachenkrebs ein Zusammenhang zu einer Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) besteht, sind die Überlebensaussichten in der Regel besser. Allerdings spielt für die Beurteilung der Prognose auch das Rauchverhalten der Patienten eine Rolle, wie eine Studie in der Fachzeitschrift Cancer bestätigt.

In dieser Studie untersuchten Forscher, ob die Intensität des Rauchens einen Einfluss auf die Prognose hat. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass bei Patienten mit Mundrachenkrebs, der mit HPV in Verbindung steht, grundsätzlich eine weniger intensive, also deeskalierende Therapiestrategie gefahren werden muss als bei Patienten ohne HPV-Befund. Dies galt bislang allerdings nur bei Patienten, die entweder niemals oder höchstens 10 Packungsjahre geraucht hatten. Anhand der sogenannten Packungsjahre lässt sich die Anzahl der gerauchten Zigaretten abschätzen. Gerechnet wird mit 20 Zigaretten pro Packung, multipliziert wird die Anzahl der pro Tag gerauchten Zigarettenpackungen mit der Anzahl der Raucherjahre. So ergeben sich beispielsweise für einen Patienten, der fünf Jahre lang durchschnittlich zwei Packungen Zigaretten pro Tag geraucht hat, ebenso 10 Packungsjahre, wie für einen Patienten, der zehn Jahre lang eine Packung pro Tag rauchte.

Ausgewertet wurden die Daten von 330 Patienten mit HPV-bedingtem Mundrachenkrebs, die eine Strahlentherapie mit oder ohne Chemotherapie erhalten hatten. 40 Prozent von ihnen waren Niemalsraucher, 42 Prozent ehemalige Raucher und 18% aktive Raucher. Die Überlebensrate, ohne dass die Krankheit weiter voranschritt, betrug für die ehemaligen Raucher 91 Prozent, sie war von der Zahl der Packungsjahre unabhängig. Entscheidend für die Prognose war offenbar weniger, wieviele Zigaretten in der Vergangenheit geraucht worden waren, als vielmehr die Frage, ob das Rauchen aufgegeben worden war oder nicht. Bei aktiven Rauchern lag die Zwei-Jahres-Überlebensrate, ohne dass die Krankheit weiter voranschritt, unter 91 Prozent, bei Patienten, die das Rauchen aufgegeben hatten, lag sie unabhängig von der Anzahl der Packungsjahre über diesem Wert.

Offenbar, so die Schlussfolgerung der Studienautoren, sei eine Anzahl von zehn Packungsjahren bei ehemaligen Rauchern mit HPV-bedingtem Mundrachenkrebs kein sinnvolles Kriterium für Festlegung einer deeskalierenden Therapiestrategie. 

 

Quelle:

Broughman JR et al. Rethinking the 10‐pack‐year rule for favorable human papillomavirus–associated oropharynx carcinoma: A multi‐institution analysis. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 13. März 2020, https://doi.org/10.1002/cncr.32849

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 29.05.2020 10:55