Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden

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Offenbar hatte die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden in der Women’s Health Initiative keine negativen Auswirkungen auf die Lebenserwartung.

Nachdem Anfang des neuen Jahrhunderts die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden wegen einer erhöhten Rate an Nebenwirkungen in Verruf geraten war, konnte nun in der Nachbeobachtung von fast zwei Jahrzehnten kein erhöhtes Sterberisiko für die mit Hormonersatztherapie behandelten Frauen festgestellt werden. Der neue Bericht der Nachfolgestudie der Women’s Health Initiative (WHI) erschien kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA.

Es war im Jahr 2002, als die aufschreckenden Ergebnisse der WHI-Studie publiziert wurden, in der die gesundheitlichen Auswirkungen einer Hormonersatztherapie bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden untersucht worden waren. Dabei war konjugiertes Pferdeöstrogen eingesetzt worden, in Kombination mit einem Gestagen sollte es Gebärmutterkörperkrebs verhindern. Frauen, denen aus gesundheitlichen Gründen die Gebärmutter entfernt worden war, erhielten nur Östrogen als Hormonersatztherapie. In den Ergebnissen im Jahr 2002 zeigte sich bei Frauen, die die Hormonersatztherapie erhielten, im Vergleich zu jenen, die stattdessen mit einem Scheinmedikament (Placebo) behandelt wurden, eine erhöhte Rate an Brustkrebs, Blutgerinnseln (Thrombosen), Schlaganfällen und Herzinfarkten, weshalb die Studie nach fünf Jahren abgebrochen wurde. Aufgrund der Studienergebnisse und der daraus resultierenden Verunsicherung von Ärzten und Patientinnen ging die Zahl die Verschreibungen von Hormonersatztherapie in den folgenden Jahren massiv zurück.

Nach dem Abbruch der Studie wurden die insgesamt 27.347 Teilnehmerinnen in einer Anschlussstudie weiter beobachtet, um etwaige langfristige Folgen der verabreichten Hormonersatztherapie zu untersuchen. Insgesamt konnten die Daten von 98 Prozent der ursprünglichen Teilnehmerinnen ausgewertet werden. Wie sich herausstellte, hatte die Einnahme der Hormonpräparate keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung. So betrug die allgemeine Sterberate 18 Jahre nach Beginn der Studie in der Hormonersatztherapiegruppe 27,1 Prozent, in der Placebogruppe 27,6 Prozent. Weder waren in der Beobachtungszeit mehr Frauen an Herzkreislauferkrankungen gestorben noch mehr Frauen an Krebserkrankungen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Hormonersatztherapie mit einer Östrogen-Gestagenkombination oder mit Östrogen allein durchgeführt worden war.

Schon seit längerem diskutieren Experten darüber, dass die früheren Ergebnisse der WHI-Studie fehlerhaft interpretiert worden sein könnten. So lag beispielsweise das Durchschnittsalter der Studienteilnehmerinnen mit 63 Jahren deutlich höher als das Alter, in dem klimakterische Beschwerden normalerweise auftreten und behandelt werden sollten. Grund dafür war die Ausgangsthese der Studie, mit Hormonersatztherapie bestimmte Krankheiten, die bei Frauen nach der Menopause gehäuft auftreten, wie Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, verhindern zu können. Zudem waren die Teilnehmerinnen überdurchschnittlich häufig stark übergewichtig und litten an Vorerkrankungen wie Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck, die ihrerseits Risikofaktoren für zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen und Brustkrebs sind. 

Experten sind sich deshalb inzwischen einig: Die Vor- und Nachteile einer Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden müssen erneut einer gründlichen Bewertung unterzogen werden. Und: Frauen, die an Wechseljahresbeschwerden leiden, können und sollen angemessen mit Hormonpräparaten behandelt werden, wobei die Zeit und Dosis der Anwendung begrenzt werden muss.

 

Quellen:

Manson J. E. et al. Menopausal Hormone Therapy and Long-term All-Cause and Cause-Specific Mortality. The Women’s Health Initiative Randomized Trials. JAMA 2017;318(10):927-38

Manson, J. E. et al.: Menopause Management - Getting Clinical Care Back on Track. N Engl J Med 2016; 374:803-806

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG), Mai 2016

Rossouw, J. E. et al.: Risks and benefits of estrogen plus progestin in healthy postmenopausal women: principal results From the Women's Health Initiative randomized controlled trial. JAMA 2002;288(3):321-33

Weidner, K et al.: Beschwerden in den Wechseljahren: Nicht nur eine Frage der hormonellen Situation. Dtsch Arztebl 2016; 113(46): A-2101

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07