Hormonelle krebsfördernde Wirkungen unterbinden

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Auch junge Frauen mit Brustkrebs können von einer Unterbindung der Eierstocksfunktion nach der Operation profitieren.

Junge Frauen unter 35 Jahren mit hormonempfindlichem Brustkrebs können davon profitieren, wenn ihre Eierstocksfunktion nach der Operation zusätzlich zur antihormonellen Therapie unterdrückt wird. Das bestätigen die Ergebnisse zweier Studien (SOFT und TEXT), in denen die hormonelle Funktion der Eierstöcke unterdrückt und die Wirkstoffe Tamoxifen oder Exemestan eingesetzt wurden. Die Ergebnisse wurden zusammenfassend in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology vorgestellt.

Tamoxifen gehört zu den sogenannten selektiven Estrogenrezeptormodulatoren (SERM) – es hemmt die Bindungsstellen für Östrogen und stimuliert die Bindungsstellen für Progesteron. Exemestan ist ein sogenannter Aromatasehemmer und verhindert die körpereigene Bildung von Östrogen. Um die hormonelle Funktion der Eierstöcke zu unterdrücken, was in den beiden Studien kurz OFS (ovarian function suppression) genannt wurde, wurden die Eierstöcke bestrahlt, beidseitig durch eine Operation entfernt oder der Gonadotropin-releasing Hormon (GnRH)-Agonist (dem GnRH „ähnliche“ Stoff) Triptorelin verabreicht. 

Teilnehmer der beiden Studien waren mehr als 5.000 Patientinnen unter 35 Jahren, die an HER2-negativem, hormonrezeptorpositivem Brustkrebs erkrankt waren. Sie erhielten nach der Operation Tamoxifen oder Exemestan plus OFS oder (nur in der SOFT-Studie) Tamoxifen allein – mit oder ohne begleitende Chemotherapie.

Bei 240 Patientinnen der SOFT-Studie, die eine Chemotherapie erhalten hatten, war das Fünf-Jahres-brustkrebsfreie Überleben signifikant länger, wenn daneben eine Therapie zur Unterdrückung der Eierstocksfunktion, eine OFS, durchgeführt worden war: Es betrug bei Tamoxifen allein rund 67 Prozent, bei Tamoxifen plus OFS 76 Prozent und bei Exemestan plus OFS 83 Prozent. Bei den 145 Patientinnen der TEXT-Studie, die OFS plus entweder Tamoxifen oder Exemestan erhalten hatten, betrugen die Fünf-Jahres-brustkrebsfreien Überlebensraten 79 und 82 Prozent.

Infolge der Antihormontherapie traten Wechseljahres-typische Beschwerden auf, wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die sich vor allem in den ersten sechs Monaten der Therapie verschlechterten. Das Ausmaß dieser Beschwerden glich, so die Studienautoren, demjenigen bei älteren Brustkrebspatientinnen, bei denen die Wechseljahre physiologischerweise kurz bevorstehen. Jede fünfte junge Patientin stoppte die Antihormonbehandlung vorzeitig.

Fazit der Studienautoren

In beiden Studien hatten die jungen Brustkrebspatientinnen ein höheres Risiko für einen Rückfall der Erkrankung als ältere, die physiologischerweise kurz vor den Wechseljahren stehen. Doch konnten auch die jungen Brustkrebspatientinnen unter 35 Jahren mit hormonempfindlichem Tumor davon profitieren, wenn ihre Eierstocksfunktion nach der Operation unterdrückt und sie zusätzlich mit Tamoxifen oder Exemestan behandelt wurden – das Überleben, ohne dass die Krankheit weiter voranschritt, verbesserte sich dadurch signifikant.

 

Quelle:

Saha, P. et al.: Treatment Efficacy, Adherence, and Quality of Life Among Women Younger Than 35 Years in the International Breast Cancer Study Group TEXT and SOFT Adjuvant Endocrine Therapy Trials. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 27. Juni 2017, DOI: https://doi.org/10.1200/JCO.2016.72.0946

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.08.2017 16:14