Hodgkin-Lymphom: Checkpointblocker anstelle von Chemotherapeutikum

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Bei einer Chemotherapie bei fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom kann einer der Wirkstoffe durch einen PD-1-Blocker ersetzt werden. Dies ist womöglich effizient und gleichzeitig verträglicher.

In fortgeschritteneren Stadien können Patienten mit Hodgkin-Lymphom in vielen Fällen gut mit einer Chemotherapie behandelt werden. Doch nicht bei allen spricht die Therapie gut an, zudem ist sie mit einer Reihe starker Nebenwirkungen verbunden. Deshalb bemühen sich Wissenschaftler, weniger aggressive, aber gleichzeitig ebenso wirksame Therapien dafür zu entwickeln. Eine Immuntherapie mit einem PD-1-Checkpointblocker erwies sich hier als wirkungsvoll, wie in den Fachzeitschriften Journal of Clinical Oncology und Nature Reviews Clinical Oncology berichtet wurde.

Demnach wurden in einer Studie Patienten ab 18 Jahren, die an Morbus Hodgkin im fortgeschrittenen Stadium erkrankt waren und zuvor noch keine Therapie erhalten hatten, zunächst mit vier Dosen einer Immuntherapie mit einem PD-1-Blocker behandelt und anschließend mit einer Kombination aus Chemotherapie und dem PD-1-Blocker. Bei der Chemotherapie, die aus mehreren Wirkstoffen bestand, wurde auf das besonders oft langwierige Nebenwirkungen verursachende Bleomycin verzichtet, eingesetzt wurden lediglich Doxorubicin, Vinblastin und Dacarbazin (AVD).

Die überwiegende Mehrzahl der Patienten sprach auf die Therapie an, davon fast alle mit einer kompletten Remission, bei der keine kranken Zellen mehr nachweisbar sind. Lediglich bei zehn Prozent der Patienten war kein Reagieren der Krankheit auf die Therapie feststellbar. Nach neun Monaten war die Krankheit bei 92 Prozent der Patienten nicht weiter vorangeschritten, insgesamt waren nach neun Monaten noch 98 Prozent der Patienten am Leben. 59 Prozent der Patienten erlebten schwere Nebenwirkungen Grad 3 oder 4, davon am häufigsten einen Rückgang weißer Blutzellen (Neutropenie).

Offenbar verspreche die Kombination einer Immuntherapie mit Chemotherapie, bei Patienten mit fortgeschrittenem Hodgkin-Lymphom zu einer wirkungsvollen und gut verträglichen Behandlungsoption zu werden, so die Interpretation der Studienautoren. Größere Studien mit längerer Beobachtungszeit müssten nun erbringen, ob sich der Einsatz eines PD-1-Blockers anstelle von Bleomycin in Kombination mit weiteren Chemotherapeutika langfristig auszahlt.

Quellen:

Ramchandren R. et al. Nivolumab for Newly Diagnosed Advanced-Stage Classic Hodgkin Lymphoma: Safety and Efficacy in the Phase II CheckMate 205 Study. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 21. Mai 2019, DOI https://doi.org/10.1200/JCO.19.00315

Alencar AJ & Moskovitz CH et al. Immune-checkpoint inhibition as first-line therapy for Hodgkin lymphoma. Nature Reviews Clinical Oncology (2019)

(KvK)

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Aktualisiert am: 18.09.2019 16:42